Wiescherhöfen

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Ortstafel Wiescherhöfen

Wiescherhöfen ist ein südwestlich gelegener Stadtteil von Hamm und seit 1975 vollständig Teil des Stadtbezirks Pelkum. Zu ihm gehören verschiedene Ortsteile, darunter die Selmigerheide, Harringholz, Lohauserholz, Geist und Daberg.

Geografische Lage

Wiescherhöfen liegt am östlichen Ende des Ruhrgebietes und südlich an der Grenze zum Kreis Unna. Es grenzt im Norden an den Stadtteil Westen im Bezirk Mitte sowie den Bezirk Herringen, im Nordosten an Berge im Bezirk Rhynern und im Süden an Weetfeld.

Namensherkunft

Der Name leitet sich vom ehemals auf dem Gebiet des Stadtteils gelegenen Hof Schulte zur Wysche ab.

Geschichte

Der Stadtteil war ursprünglich rein landwirtschaftlich geprägt. Mit der Industrialisierung kam es zum Aufbau einer florierenden Bergbauindustrie und einer weitreichenden Eisenbahn-Infrastruktur. Im Zweiten Weltkrieg führte dieser Umstand zu zahlreichen Bombardements der Alliierten, deren Hinterlassenschaften in Form von Blindgängern noch heute gelegentlich bei Bauvorhaben zu Tage treten.

Mindestens seit Ende des Steinkohlenbergbaus im Jahr 2010 ist der Stadtteil in einem Strukturwandel begriffen. Wichtigstes Projekt in diesem Zuge ist (Stand 2021) die Umwidmung des Geländes des ehemaligen Bergwerks Ost zum CreativRevier Heinrich-Robert. Teile des Rangierbahnhofs sollen außerdem als Multi-Hub Westfalen revitalisiert werden.

Vormoderne

Zum ersten Mal wurde der Name Wiescherhöfen im Jahr 1486 urkundlich erwähnt. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark wurde es noch „Wyesch“ geschrieben. Zu Wiescherhöfen gehörten nach dem Steuerbuch nur drei Höfe: Greinewysch, Tünnemann und Schult zur Wysch (Schulze zur Wiesch). Zu den drei Höfen kam in der Selmigerheide der Hof Schult van Zelmick (Schulze-Selmig).

18. Jahrhundert

Lohauserholz

Die vier Höfe schlossen sich mit weiteren Höfen zur Gemeinde Wiescherhöfen zusammen. Diese waren, laut Aufstellung des Amtes Pelkum von 1731, die Höfe Schulze-Selmig, Schulte zur Wysche, Bresser, Grönewysche, Schulte Kissing, Tünnemann, Schnübbe, Hoppe, Dörholt, Lenickenhoff, Brandt, Drees, Vogelweyer und Kleykamp. Die Gemeinde gehörte kirchlich zu Herringen und hatte keine eigene Dorfkirche.

Zu Wiescherhöfen gehörten zu dieser Zeit die Ortsteile Kissingerhöfen, Daberg, Geist, Lohauserholz, Selmigerheide und die Harringholzsiedlung.

Eine Privatschule wurde in der Selmigerheide schon im Jahre 1762 errichtet, um den kleineren Kindern aus Wiescherhöfen den weiten Weg zur Kirchspielschule nach Herringen zu ersparen.[1]

Insgesamt 17 Gemeinden wurden 1797 zum Amtsbezirk Pelkum zusammengefasst, weil die kleinen Gemeinden nicht alle Aufgaben aus eigener Kraft erledigen konnten. Die Hauptstelle des Amtes befand sich in Pelkum, der damals größten Gemeinde im Bezirk.

19. Jahrhundert

An der Großen Werlstraße erbaute der Müller Middendorf im Jahre 1816 eine Mühle komplett aus Holz. Durch die geringe Besiedlung war das Bauwerk weithin sichtbar und wurde zum Wahrzeichen von Wiescherhöfen. Die Mühle ist heute nicht mehr erhalten.

Der Brandschutz wurde 1827 per Vertrag geregelt. Dreißig Bauern und Kötter einigten sich auf eine Umlage, um den Transport der Druckspritze zum Brandort zu regeln und zu finanzieren. Das Spritzenhaus war an der heutigen Weetfelder Straße / Einmündung Baumhofstraße. Die Brandbekämpfung erfolgte durch freiwillige Helfer und Nachbarn.

Im Jahre 1831 betrug die Einwohnerzahl 454.

Der Schützenverein Wiescherhöfen-Lohauserholz wurde im Jahre 1838 ins Leben gerufen.

Die Köln-Mindener Eisenbahn nahm am 2. Mai 1847 den Zugverkehr auf. Im Jahre 1865 wurde die Bergisch-Märkische Bahn in Betrieb genommen. Einziger Haltepunkt in der Gemeinde war der Bahnhof Wiescherhöfen an dem Flurstück „Kuckkuck“ (heute Weetfelder Straße / Kreuzung Wiescherhöfener Straße) an der Teilstrecke Hamm–Unna–Hagen. Inbetriebnahme war am 15. Dezember 1895. Es hielten täglich 47 Personenzüge mit Ziel Hamm oder Unna in Wiescherhöfen.

Am 1. April 1884 wurde vom Amtsbezirk Pelkum die Amtsparkasse eröffnet, welche auch in der Selmigerheide und Lohauserholz Zweigstellen besaß.

Der Männergesangverein Harmonie Wiescherhöfen gründete sich 1899.

20. Jahrhundert

Hammerkopf-Turm der Zeche Heinrich Robert

Wiescherhöfen verlor Teile seines landwirtschaftlich geprägten Gesichts im Verlauf der Industrialisierung. Bereits im Jahre 1874 wurden bei Probebohrungen Kohlevorkommen entdeckt. Am 25. Oktober 1902 ging dann die Zeche de Wendel mit den beiden Schächten Heinrich und Robert in Betrieb. Hierdurch erklärt sich der spätere Name Zeche Heinrich-Robert. Zuvor hatte die Zeche insgesamt 17.512.00 m² in Berge, Hamm, Pelkum, Wiescherhöfen und Herringen erworben. Die Kokerei hatte 118 Öfen und erreichte eine Tagesproduktion von 2100 Tonnen Kohlenkoks.

Selmigerheide (Luftbild), 1991 © RVR – Datenlizenz Deutschland
Daberg (Luftbild), 1991 © RVR – Datenlizenz Deutschland

Auf dem Gemeindegebiet befand sich später der größte Verschiebebahnhof Europas. Von insgesamt elf Bauern wurden ca. 75 Hektar Land erworben, um diesen Bahnhof zu errichten. Das Rittergut Lohaus (Namensgeber des Ortsteils Lohauserholz) verschwand durch den Bau des Verschiebebahnhofs vollständig.

Als dritte Eisenbahnstrecke wurde die Osterfelder Bahn (vom Hauptbahnhof über Pelkum Bahnhof nach Oberhausen-Osterfelde) im Jahre 1905 in Betrieb genommen. Sie diente vor allem dem Abtransport der Erzeugnisse der Zeche de Wendel.

Im selben Jahr wurde der Turnverein TuS Deutsche Treue Wiescherhöfen ins Leben gerufen. Die Freiwillige Feuerwehr Wiescherhöfen wurde am 9. Januar 1909 gegründet und erhielt ein Feuerwehrhaus mit Steigerturm neben der Dorfschule. Die heutige Schützengesellschaft Wiescherhöfen-Weetfeld nahm am 28. Februar 1909 nach der Gründungsversammlung im Haus Refus ihre Tätigkeit auf. Am 10. Juni 1910 gründete sich der Sport-Club Wiescherhöfen.

Die Einwohnerzahl stieg, bedingt durch die Eisenbahn und Zeche, weiter: Im Jahre 1900 betrug sie 1298 Einwohner, 1914 waren es bereits 4515.

Am 9. Dezember 1917 entgleiste auf der Osterfelder Bahn ein Güterzug. Zwei Gleise der Strecke wurden so schwer beschädigt, dass sie gesperrt werden müssen. Der Personenverkehr konnte auf der Strecke nach Pelkum aufrecht erhalten, der Güterverkehr musste umgeleitet werden.[2]

Im Ersten Weltkrieg kam es zu keinen größeren Schäden in der Gemeinde. Der Zweite Weltkrieg sorgte, bedingt durch die Bahnstrecken und Verschiebebahnhof, hingegen für erhebliche Schäden und Todesopfer. Der größte Angriff fand am 22. April 1944 statt und forderte allein 49 Todesopfer. In die Zeit der Diktatur der Nationalsozialisten fiel auch der Einsatz von Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter auf der Zeche Heinrich-Robert.

Durch den Steinkohlenbergbau kam es im Stadtteil wiederholt zu Bergsenkungen. Die Straße Wasserfall zeugt beispielsweise noch heute von einem solchen Vorfall.

Gerätehaus der Feuerwehr Wiescherhöfen (1950)

Am 17. September 1950 wurde das neu erbaute Feuerwehrhaus Wiescherhöfen mit einem Schlauchturm an der Straße Auf der Horst seiner Bestimmung übergeben. Das Löschfahrzeug stand im Erdgeschoss. Im ersten Obergeschoss und im Dachgeschoss befand sich jeweils eine Wohnung.

1955 eröffnete das Kino Regina im ehemaligen Lichtburg.

Im Jahr 1963 stürzte ein Düsenjäger der Bundesluftwaffe in Lohauserholz ab und fiel in ein Wohnhaus der dortigen Brückenstraße (heute Günterstraße). Eine Bewohnerin wurde verletzt; der Pilot war über Berge aus dem Flugzeug abgesprungen.

Fahrzeughalle und Fahrzeuge der Feuerwehr Wiescherhöfen (1967)

Am 13. Februar 1965 wurde der Grundstein für die neue Fahrzeughalle zwischen dem Feuerwehrhaus und der Selmigerheideschule gelegt, die bis heute genutzt wird. Sie wurde am 27. November des gleichen Jahres in Betrieb genommen. Das Gebäude verfügt auch über eine Alarmsirene. Zeitgleich ging das erste Drehleiterfahrzeug (Magirusleiter auf Klöckner-Humboldt-Deutz Fahrgestell) in den Einsatzdienst.

Kommunale Neuordnung

Am 13. Dezember 1967 erließ der Landtag das Gesetz zur Neuordnung Unna/Hamm. Gegen den Willen von Rat und Bevölkerung wurde die Gemeinde geteilt. Die Ortsteile Daberg, Geist und Lohauserholz kamen zur Stadt Hamm. Die anderen Ortsteile gehörten fortan zur Großgemeinde Pelkum.

Das Amt Pelkum wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1968 aufgelöst. Bei der 2. kommunalen Neuordnung 1975 wurde der Rest von Wiescherhöfen schließlich ebenfalls der Stadt Hamm zugeordnet.

Die beiden Gemeindevertreter der Gemeinden Wiescherhöfen und Weetfeld einigten sich 1971 darauf, das Weetfelder Feuerwehrfahrzeug im Feuerwehrhaus Wiescherhöfen unterzustellen. Die Nutzung der Gebäude wurde der Feuerwehr Weetfeld ebenfalls gestattet. Das alte Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Weetfeld an der heutigen Kreuzung Wilhelm-Lange-Straße/Weetfelder Straße wurde in Eigenarbeit abgerissen.

1978 wurde der Bahnhof für immer geschlossen. Die Züge aus und nach Bönen, Unna und Hagen fahren seitdem ohne Halt durch den Stadtteil.

Hochwasser 1978

Heftige Regenfälle am 20. Mai 1978 waren der Beginn einer Überflutung des Wiescherbachs. Am 24. Mai wurde Katastrophenalarm ausgerufen. Mit Hilfe von Einsatzkräften der Bundeswehr konnten schließlich 31 Hektar überflutete Flächen wieder freigepumpt werden.[3]

→ siehe auch: Wetter in Hamm

Schließung der Kokerei

Am 31. März 1987 wurde die Kokerei der Zeche Heinrich-Robert geschlossen. Im Herbst wurde mit dem Abriss der Gebäude begonnen. Er dauerte bis zum Frühjahr 1988. Gegen Ende mussten die beiden Kamine weichen. Durch die Stilllegung der Kokerei änderte sich das Ortsbild entsprechend: Nachdem das Feuer in den Öfen erloschen war, blieben auch die Löschwasserdampfwolken und Abgasfackeln aus. Nach dem Abriss wollte man ein Industriedenkmal in Form einer Koksofentür aufstellen, allerdings war diese bereits entsorgt worden. Die auf dem Wiescherhöfener Marktplatz ausgestellte Ofentür stammt in Wirklichkeit aus der Kokerei Hansa in Dortmund.

21. Jahrhundert

Rangierbahnhof (2009) – unten rechts erkennt man Personenzüge im Stillstandsmanagament

Anfang des 21. Jahrhunderts wurde Wiescherhöfen, wie viele Gemeinden im Ruhrgebiet, vom Strukturwandel erfasst. 1998 wurde die Zeche Heinrich-Robert von der Ruhrkohle AG mit der Zeche Monopol (Kamen) zum neuen Bergwerk Ost vereinigt. Durch Rationalisierungen kam es hierbei zu bedeutenden Arbeitsplatzverlusten. Zum 30. September 2010 stellte die Zeche dann ihren Betrieb zur Gänze ein. Große Teile der Anlagen wurden bereits 2011 nach China veräußert und hierfür demontiert.[4]

Anfang der 2000er-Jahre verlor außerdem der Rangierbahnhof erhebliche Teile seiner Aufgaben an den neuen Rangierbahnhof in Hagen-Vorhalle, weshalb Teile der Anlagen in Hamm stillgelegt wurden, wodurch weitere Arbeitsplätze verloren gingen. Die stillgelegten Gleise des Rangierbahnhofs dienten danach lange Zeit dem Stillstandsmanagement der Deutschen Bahn AG zur Abstellung nicht benötigter Eisenbahnfahrzeuge. Eine Revitalisierung als Multi-Hub Westfalen ist seit Oktober zumindest 2021 wieder beabsichtigt.

Im Jahre 2013 wurde die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Dorfschule der Feuerwehr Wiescherhöfen-Weetfeld und der Jugendfeuerwehr für ihren Schulungsbetrieb zur Verfügung gestellt, welche die Räumlichkeiten in Eigenleistung renovierten und umbauten.

Nachnutzung der Zeche Heinrich-Robert

Planungen zum CreativRevier

Im Zuge der Diskussionen um eine Nachnutzung des Geländes der Zeche Heinrich-Robert fasste die Stadt Hamm 2018 den Plan zur Errichtung des CreativReviers Heinrich-Robert. Das Zechengelände soll diesen Plänen zufolge, nach Abschluss der Bodensanierung und Entlassung aus der Bergaufsicht, mit einem Mix aus Wohnbebauung, Einzelhandel und Gewerbeflächen überplant werden. So entstehen ca. 1000 Wohneinheiten in dem neuen Wohngebiet Kissinger Höhe und ein Einzelhandelszentrum mit Fachmärkten am Netto-Markt Kamener Straße.[5] Ferner sollen Kulturveranstaltungen stattfinden. 2016, 2017, 2019, 2022 und 2023 war das CreativRevier Spielort der Kulturveranstaltung ExtraSchicht.[6].

Das das Bild des Stadtteils prägende Hammerkopf-Gebäude des Bergwerks sowie weitere Gebäude bleiben hiervon unberührt und stehen inzwischen unter Denkmalschutz.[7]

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1831 454
1849 499[8]
1876 782[9]
1931 6152[10]
1956 8567[11]
1961 9223[12]

Bekannte Persönlichkeiten

  • Karl Isenbeck (1904–1945), Pflanzenzuchtwissenschaftler
  • Walther Lipphardt (1906–1981), Musik- und Theaterwissenschaftler, Kirchenmusiker und Gymnasiallehrer

Öffentliche Einrichtungen

Geistschule

Der Stadtteil verfügt über keine eigenen Ämter, sondern wird vom Amtshaus in Pelkum bedient.

Drei Grundschulen nehmen die Schüler aus dem Einzugsgebiet Wiescherhöfen auf: Selmigerheideschule (Selmigerheide), Geistschule (Lohauserholz) und Hermann-Gmeiner-Schule (Westen).

Schüler weiterführender Schulen sind meist auf den Bustransfer angewiesen, da sie die an der Gemarkungsgrenze zwischen Westen und Lohauserholz gelegenen weiterführenden Schulen (Märkisches Gymnasium, Friedrich-Ebert-Realschule und Elisabeth-Lüders-Berufskolleg) oder die Konrad-Adenauer-Realschule in Rhynern besuchen. Die letzte verbliebene Hauptschule im Einzugsgebiet ist die Anne-Frank-Schule in Hamm-Westen. Daneben pendeln seit dem Jahr 2002 zahlreiche Schüler ans Schulzentrum in Bönen (Marie-Curie-Gymnasium und Humboldt-Realschule) aus. Hierzu wurde die Buslinie 193 eingerichtet.

Weitere Einrichtungen sind die Gemeinde- und Familienzentren der Ev. Friedenskirche und der Ev. Thomaskirche

Wirtschaft

RIBA Verpackungen
Gewerbegebiet Schieferstraße

Die an Weetfeld grenzenden Teile Wiescherhöfens sind bis heute landwirtschaftlich geprägt. Mit den Gewerbegebieten Schieferstraße (vor allem Handwerk und Handwerkerbedarf), Carl-Zeiss-Straße (Metallverarbeitung und Handwerk) und dem Inlogparc (Logistik – formal in Weetfeld gelegen) verfügt der Stadtteil heute auch über eine nennenswerte Anzahl an Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor.

Zudem liegen weite Teile des Rangierbahnhofs im Stadtteil, die jedoch derzeit hauptsächlich zum Stillstandsmanagement der DB gehören. Der Rangierbahnhof soll durch das Projekt Multi-Hub Westfalen jedoch künftiger wieder vitalisiert werden.

Die folgenden Arbeitgeber zählen zu den bekannteren Unternehmen aus dem Stadtteil:

Verkehr

Skulptur „Friedwart von Wiescherhöfen“

Über die Anschlussstelle Bönen ist der Stadtteil an die A2 angebunden. Unweit der Stadtgrenze in Bergkamen-Rünthe oder am Kamener Kreuz wird die A1 erreicht.

Nachdem durch die Schließung des Bahnhofs Wiescherhöfen seit 1978 kein Eisenbahn-Haltepunkt mehr existiert, bilden die Linien 3 und 5 der Stadtwerke Hamm gegenwärtig das Rückgrat des Verkehrs in die Innenstadt.

Der Verkehr im Stadtteil wird dennoch bis heute durch die Eisenbahn stark beeinflusst. Durch zahlreiche Bahnübergänge bilden sich bisweilen Verkehrsstaus, vor allem vor der Schranke an der Eisenbahnstrecke Hamm–Dortmund beim Stellwerk Selmig (Wiescherhöfener Straße). Sie wird im Volksmund auch „Glück-auf-Schranke genannt“. Der Schranke bzw. den Wartezeiten setzten Anwohner 2017 mit der satirischen Skulptur „Friedwart von Wiescherhöfen“ ein Denkmal.

In den 2010er-Jahren wurden weite Teile der Hamm-Osterfelde-Bahn mit Lärmschutzwänden ausgestattet; im Jahre 2021 auch weite Teile der Eisenbahnstrecke Hamm–Dortmund im Ortsteil Selmigerheide.[13]

Zukunftspläne

Bis 2039 soll die B 63 nach Wiescherhöfen verlängert werden (B 63n), um so insbesondere den Inlogparc und den Rangierbahnhof besser zu erschließen. Geplant ist ein paralleler Verlauf zur Eisenbahnstrecke nach Dortmund auf Gleisen des Rangierbahnhofs und ab der Rathenaustraße ebenerdig westlich der Gleise. Querverbindungen zum Creativrevier Heinrich-Robert (K 35n) und zum Gewerbegebiet Inlogparc in Weetfeld (K 13n) sollen sicherstellen, dass der Verkehr nicht unmittelbar durch die Ortschaft fließt.

Im Zuge dieser Maßnahme sollten ursprünglich auch die höhengleichen Bahnübergänge Wiescherhöfener Straße, Friedhofsweg und Provinzialstraße beseitigt werden. Als Ersatz für die Straßenüberführungen sollen eine Unterführung an der Provinzialstraße und eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke am Friedhofsweg erstellt werden. Als Zeitrahmen des Projekts galt zunächst das Jahr 2025. Diese Frist war jedoch nach Berichten des WA aus dem Jahr 2021 aufgrund der mangelnden Klarheit über die Errichtung der B 63n bereits nicht mehr zu halten,[14] denn zunächst galt die Beseitigung der Bahnübergänge aufgrund des geplanten parallelen Verlaufs der B 63n zur Bahntrasse als an das Straßenprojekt gebunden.

Inzwischen plant die Stadt aber nach Berichten des WA, die Beseitigung der Bahnübergänge vorzuziehen, da sich der Bau der B 63n verzögert.[15] Dennoch gilt die Realisierung dieses Vorhabens in den 2020er-Jahren inzwischen als ausgeschlossen, da die entsprechende Planungsvereinbarung zwischen DB Netze und der Stadt Hamm erst 2023 unterzeichnet wurde.[16] Seit März lag der Stadt Hamm eine entsprechende Planungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn vor. Nach Berichten des WA vom August 2023 ist mit einer Beseitigung der Bahnübergänge nunmehr erst im Jahr 2032/33 zu rechnen. Eine vorzeitige Umsetzung der Maßnahme ist aufgrund einer geplanten Streckensanierung 2027–28 unwahrscheinlich geworden.[17]

Für eine Ausweitung des Eisenbahnverkehrs auf der Achse Hamm–Dortmund soll zudem im Rahmen der bundesweiten Einführung des sogenannten Deutschlandtakts mindestens ein drittes Gleis ab dem Abzweig Selmig bis Dortmund verlegt werden. Die Wünsche der Stadt Bergkamen und mancher Hammer Bürger, die Hamm-Osterfelde-Bahn für den Personenverkehr zu reaktivieren, wird hingegen absehbar zugunsten dieser Planung nicht weiter verfolgt.[18] Die Finanzierung für das dritte Gleis war im Jahr 2022 jedoch noch nicht gesichert.[16]

In Zukunft soll mit der Erweiterung der S-Bahn S1 bis nach Hamm im Bereich Friedhofsweg und Behringstraße (an der Bahnstrecke Hamm–Dortmund) auch ein neuer Haltepunkt errichtet werden. Entsprechendes ist im Entwurf zum Nahverkehrsplan (NVP) 2023 für Hamm verankert. Voraussetzung ist der oben erörterte Streckenausbau Dortmund–Hamm im Zuge der Umsetzung des Deutschlandtakts.[19]

Im Abschnitt Selmig ist außerdem geplant, zwecks einer Beschleunigung des Fernverkehrs von und nach Hamm die Höchstgeschwindigkeit für Personenzüge wieder von 160 km/h auf 200 km/h zu erhöhen.[20] Die Strecke ist hierzu bereits ertüchtigt (u. a. ist die nötige Sicherungstechnik LZB schon installiert) und wurde in den 80er-Jahren auch mit diesem Tempo befahren. Inzwischen dürfte allerdings eisenbahnrechtlich erst nach Aufhebung der höhengleichen Bahnübergänge wieder so schnell gefahren werden.[21]

Die Planfeststellung für alle oben genannten Verkehrs-Infrastrukturmaßnahmen steht (Stand 2023) noch aus.

Sehenswürdigkeiten

Hochzeitswald
Kissinger Höhe (2001)
© RVR/Hubert Harst – Datenlizenz Deutschland

Bedeutende Landmarken des Stadtteils sind die Bergbauhalden Kissinger Höhe und Halde Humbert (die erst ab den 2000er-Jahren aufgeschüttet wurde und eigentlich in Herringen liegt), sowie die jüngste Halde, die Halde Sundern. Mit Ausnahme der Halde Sundern sind diese inzwischen für die Freizeitnutzung freigegeben. Insbesondere die Kissinger Höhe bietet mit Wanderwegen und einer Aussichtsplattform („Haldenzeichen“) interessante Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.

Das weithin sichtbare Hammerkopf-Gebäude der ehemaligen Zeche Heinrich-Robert bleibt langfristig erhalten, da es unter Denkmalschutz gestellt wurde.

In der Nähe des Wiescherbachs bei Lohauserholz befindet sich der frühere Hochzeitswald.

Im Ortsteil Selmigerheide und in Lohauserholz wurde außerdem die Aktion Kunst-Häuschen umgesetzt, mit der Straßenschilder verschönert wurden.

Geographie

Der Wiescherbach fließt von Rhynern kommend Richtung Herringen durch den Stadtteil.

Religion

Der Stadtteil gehört gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Pelkum-Wiescherhöfen, die dort auch mehrere Kindertageseinrichtungen unterhält:

  • Im Ortsteil Selmigerheide liegt die Friedenskirche mit dem unmittelbar angrenzenden evangelischen Friedhof Wiescherhöfen und ihrem Gemeindezentrum.
  • In der Selmigerheide befindet sich ebenfalls die Ev. Kita Abraham.
  • In der Harringholzsiedlung gibt es ferner die Kita Zachäus.
  • Im Ortsteil Lohauserholz/Daberg liegt die 1965 eingeweihte Thomaskirche mit Gemeinde- und Familienzentrum sowie der Kita Thomas.

Die katholische Kirche im Bezirk ist im Pastoralverbund Hamm-Mitte-Westen organisiert und unterhält folgende Einrichtungen:

Daneben haben muslimische Glaubensgemeinschaften ihre Moscheen und Gemeindehäuser bei der Zechensiedlung eingerichtet. Größere Gotteshäuser sind jedoch nicht geschaffen worden.

Vereinswesen

Anmerkungen

  1. Datenchronik Stadtarchiv Hamm
  2. vgl. Bielefelder General-Anzeiger. 18. Jahrgang. Nr. 291 vom 12.12.1917
  3. vgl. Dotter, Hans-Karl; Beeck, Anneliese: Bilder-Chronik. Aus 25 Jahren Hammer Stadtgeschichte 1965–1990, S. 81
  4. Wa.de vom 01.08.2011
  5. Wa.de vom 12.05.2021
  6. Wa.de vom 26.06.2016
  7. Wa.de vom 27.11.2020
  8. Essellen 1851, S. 166 (Bauerschaft Wiescherhöfen).
  9. Adreß-Buch für den Regierungs-Bezirk Arnsberg 1877, Arnsberg 1876, S. 35 (Wiescherhöfen).
  10. ↑ Handbuch der Ämter und Landgemeinden in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen, Preußischer Landgemeindetag West, Berlin 1931.
  11. Lucas, Otto: Kreis-Atlas Unna. Unna/Münster 1957.
  12. Bünermann, Martin/Köstering, Heinz: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 267.
  13. Wa.de vom 09.02.2021
  14. Wa.de vom 04.04.2021
  15. Wa.de vom 25.12.2021
  16. 16,0 16,1 Wa.de vom 12. Juli 2022
  17. Stefan Gehre: „Verkehrschaos: Bahnübergänge in der Selmigerheide bleiben noch Jahre“ in: wa.de vom 25. August 2023
  18. Wa.de vom 06.08.2021
  19. Stefan Gehre: „Pelkum ausgebremst: Nahverkehrsplan bevorzugt anderen Bahnhaltepunkt“ in: wa.de vom 19. Juli 2023
  20. Deutsche Bahn (03/2021): „Baumaßnahmen 2021 – Brücken- und Oberleitungsarbeiten zwischen Dortmund - Hamm“, zul. abgerufen am 16. Juli 2022
  21. ICE-treff.de

Quelle (in Teilen)

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