1944

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Hamm wurde vor 718 Jahren gegründet.

Hamm im 2. Weltkrieg

Brennende Pauluskirche am 30. September 1944
  • Am 23. März erfolgte ein großangelegter Luftangriff auf Hamm. Dabei waren das Bahnhofsgebiet, die Weststraße und der Hammer Norden besonders betroffen. Das Gebäude der Deutschen Bank in der Bahnhofstraße wurde völlig zerstört, Treffer erhielten die Eisenbahnbrücke über Kanal und Lippe, die Brauerei Isenbeck, der Westenwall, die Ritterstraße, der Bahnhof von Hamm und die Industriewerke im Hammer Westen. In den südlich gelegenen Straßen entstanden Brände (Weidenstraße, Lilienstraße, Werler Straße, Alleestraße, Ostenwall). Insgesamt starben bei dem Angriff 51 Personen. Der Angriff traf auch die St. Pankratiuskirche in Hövel, deren Kirchenschiff mit zwei Bombentreffern zerstört wurde. Lediglich der Turm der Kirche blieb - ebenfalls beschädigt - stehen.[1]
  • Am 25. März griff ein einzelnes Flugzeug die Nordenbrücke am Bockumer Weg an, ohne großen Schaden anzurichten.
  • Am 19. April überfliegen alliierte Luftstreitkräfte das Industriegebiet und die Stadt Hamm, ohne großartige Kampfaktivitäten. Allerdings erhielt das Gasometer im Hammer Süden einen Volltreffer und brannte vollständig aus.
  • Am 22. April flogen alliierte Luftstreitkräfte zwischen 18:30 Uhr und 19:20 Uhr einen Großangriff auf Hamm. Dabei wurden 258 Menschen getötet und mehrere hundert Häuser zerstört. Insbesondere wurde die Bahnhofsgegend betroffen. Von der Rödinghauser Straße bis zum Bahngelände brannten alle Wohn- und Geschäftshäuser ab. Es blieben lediglich das Schuhgeschäft Viehoff und die Kreissparkasse verschont. Zerstört wurden u.a. die Häuser und Geschäfte von Fahning, Grüter & Schimpf, Betten-Reinhard und die Stadtwerke. Getroffen wurde auch das Bahngelände. [2] Dabei wurde die Ausbildungswerkstatt der Lokomotivjunghelfer zerstört. [3]
  • Am 31. Mai erfolgt erneut ein Luftangriff auf Hamm, bei dem wiederum der Bahnhofsbereich und das Industriegebiet im Hammer Westen getroffen wird. Der Angriff fordert 55 Tote. Im Bahnbereich wurden ein Stellwerk, das Verwaltungsgebäude und die Lehrwerkstatt zerstört. [4] Das Elektrizitätswerk meldet große Schäden in allen Stadtbereichen von Hamm:[5]

Das Elektriziätswerk verlor durch die Luftangriffe die Werkstatt und das Lager Friedrichstraße 8, die Garagen und Wohnungen Sedanstraße, das Hauptschalthaus Alleestraße, das Ausweichlager Mark, die Schalthäuser Westenwall, Südenwall, Marienstraße, Vorsterhauser Weg und das Gleichrichterwerk Wilhelmstraße. Das erste Hauptschalthaus in der Friedrichstraße, die Betriebsbüros, die Prüfamtaußenstelle und eine ganze Anzahgl Schalthäuser wurden stark beschädigt. Außerordentlich groß waren die Leitungsschäden.

  • Am 10. September wurde der Schulunterricht in Hamm wegen der fortgesetzten Luftangriffe eingestellt.
  • Der nächste Luftangriff auf Hamm erfolgt am 19. September. Am frühen Nachmittag um 14:40 Uhr werden der Bahnhof und seine Umgebung sowie das Industrieviertel im Westen und die Kasernen im Osten der Stadt getroffen. Einen schweren Treffer erhält das Amtsgericht an der Nordwestecke des Gebäudes.
  • Am 26. September erfolgt bereits der nächste Angriff auf Hamm. Es trifft wieder vor allem den Hammer Westen und das Bahnhofsgebiet. Getroffen werden das Commerzbankgebäude am Südring und die Oberrealschule. Das Stadtbad in der Gasstraße wird zerstört. In Bockum-Hövel wird das Gemeindehaus der evangelischen Kreuzkirche getroffen. Dabei sterben 16 Frauen, die sich im Gustav-Adolf-Haus aufhalten. [6]
  • Am 30. September stürzt der Turm der Pauluskirche nach einem Luftangriff ein. Zudem wird diesmal vor allem die Innenstadt getroffen (Brüderstraße, Franziskanerstraße, Oststraße, Widumstraße, Marktplatz, Königstraße) und das Behördenviertel um den Friedrichplatz (heute: Theodor-Heuss-Platz). Das Gymnasium Hammonense erhielt Brandbombentreffer im Dachstuhl. Der brand konnte ohne große Schadensbildung gestoppt werden. In Heessen kommen 15 Personen ums Leben. [7]
  • Der Luftangriff vom 2. Oktober gilt neben dem Hammer Westen (beide Verwaltungsgebäude der Westfälischen Union brennen aus) den Straßenzügen der südlichen Vorstadt (Borbergstraße, Hohestraße, Feidickstraße, Werler Straße, Von-der-Marck-Straße. Das Gymnasium Hammonense wurde durch eine Phosporbombe in Brand gesetzt und brannte bis zum Erdgschoss ab. Zudem wurde das letzte nutzbare Kino in Hamm zerstört, das Gloria-Theater.
  • Am 22. Oktober erfolgt der nächste Luftangriff. Diesmal trifft es den östlichen Stadtbezirk an der Ostenalle im Bereich Wilhelminenstraße und Caldenhofer Weg. Auch Heessen wird in Mitleidenschaft gezogen. Dort stirbt eine Person. [8]
  • Der nächste Luftangriff folgte bereits am 25. Oktober. Dabei wurde der Hammer Westen wieder einmal besonders hart getroffen. Zu einem Zwischenfall kam es am Bunker an der Widumstraße. Dort drängten soviele Menschen gewaltsam in den Bunker, dass 7 Personen erdrückt oder zertreten wurden.
  • Der Luftangriff vom 28. Oktober galt dem Hammer Westen und Norden sowie dem Kanal. Das Gebäude des Ruderclubs wird zerstört.
  • Am 29. Oktober wird Hamm von Tieffliegern angegriffen.
  • Am 30. Oktober wird Hamm erneut von einem Luftangriff getroffen. Diesmal trifft es den Norden und den Osten der Stadt, daneben Bockum-Hövel und Haaren. In Heessen sterben 10 Personen bei dem Angriff. [9]
  • Ziel des Luftangriffs vom 1. November ist der Verschiebebahnhof von Hamm.
  • Am 4. November greifen Tiefflieger die Stadt Hamm an. Bomben fallen auch auf Berge.
  • Heessen wird am 6. November Ziel eines Luftangriffs. Dabei wird die St. Stephanus-Kirche getroffen und schwer zerstört. Die Kirchtürme und die Aussenmauern der Kirche bleiben stehen. Bei dem Angriff kommt der Küster der Gemeinde, Theodor Westhoff, ums Leben. [10] Insgesamt werden in Heessen vier Menschenleben beklagt. [11]
  • Durch einen Bombentreffer während eines Luftangriff am 11. November auf der Zeche Radbod bricht die Stromversorgung in Hamm zusammen.
  • Am 23. November sterben bei einem Luftangriff in Heessen 23 Personen. [12]
  • Am 26. November mittags trifft ein schwerer Luftangriff die Stadt Hamm, wobei vor allem die östlich der Pauluskirche gelegenen Gebiete und der Hammer Osten getroffen werden. Die Agneskirche und die gegenüberliegende Volksschule werden durch Treffer zerstört. Der Erdbunker an der Oststraße vor dem kleinen Exerzierplatz erhält einen Treffer, von dem mehrere Menschen getötet werden. Die Brauerei Isenbeck wird stark beschädigt.
  • Der Luftangriff vom 29. November gilt der Nordenfeldmark, der Eisenbahn und dem Hafen. Getroffen wird auch die Westfälische Union und die Brauerei Isenbeck. Die Straßenbahnlinie 4 muss bis zum 6. Februar 1945 ihren Betrieb einstellen.
  • Am 3. Dezember werden bei einem Luftangriff in Heessen 2 Personen getötet. [13]
  • Bei einem Luftangriff am 5. Dezember wird das Stadthaus mitsamt dem Stadtarchiv zerstört. Insgesamt wird vor allem das Zentrum getroffen. U.a. wird die Liebfrauenkirche vollständig zerstört und das Oberlandesgericht - heute das Rathaus - stark beschädigt. Das Stadtbad in der Gasstraße wird ebenfalls komplett zerstört. [14] Das Gymnasium Hammonense erhält ebenfalls einen Treffer, der die im Keller untergebrachten Möbel, Akten udgl. restlos zerstört. In Heessen kommen 5 Personen ums Leben. [15]

Polizei

  • Am 9. November wechselt das Kommando über die Hammer Schutzpolizei. Major Levsen wird zum Nachfolger des bisherigen Amtsinhabers, Major Stolzenburg.[16]

Statistik

  • Am 29. April werden in Hamm noch 32.148 Einwohner gezählt. [17]

Bergbau

  • Auf der Zeche Sachsen kommen im Ostfeld 169 Kumpel bei einer Schlagwetterexplosion ums Leben. Das Unglück ereignete sich am 3. April.[18] Unter den Toten befinden sich 113 russische Kriegsgefangene und Fremdarbeiter. [19]
  • Die Zeche Bayern, die ein Ableger der Zeche Sachsen werden sollte, stellt ihren Betrieb ein. Sie erreicht mit ihrem Schacht eine Tiefe von 639 m. [20]
  • Auf der Zeche Heinrich Robert werden ca. 1700 Zwangsarbeiter in der Produktion eingesetzt. Alle jungen deutschen Belegschaftsmitglieder sind zur Wehrmacht eingezogen. [21]

Kultur

  • Die städtische Musikschule stellt ihren Betrieb kriegsbedingt ein.

Religion

  • Die Kreuzkirche in Bockum-Hövel wird durch nahe Bombenangriffe beschädigt.[22]

Anmerkungen

  1. Fritz Schumacher, Hartmut Greilich: Bockum-Hövel. Aus Geschichte und Heimatkunde. Bockum-Hövel 1956. S. 52
  2. Markus Meinold: Bahnhof Hamm (Westf). Die Geschichte eines Eisenbahnknotens. Hövelhof 2004. S. 81-82
  3. 50 Jahre Berufausbildung Betriebswerk Hamm. O.O. o.J. S. 15
  4. Markus Meinold: Bahnhof Hamm (Westf). Die Geschichte eines Eisenbahnknotens. Hövelhof 2004. S. 82
  5. zitiert nach: 100 Jahre Stadtwerke Hamm/Westf. 1858-1958. Hamm 1958. S. 59
  6. Fritz Schumacher, Hartmut Greilich: Bockum-Hövel. Aus Geschichte und Heimatkunde. Bockum-Hövel 1956. S. 82
  7. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  8. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  9. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  10. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 210
  11. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  12. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  13. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  14. 100 Jahre Stadtwerke Hamm/Westf. 1858-1958. Hamm 1958. S. 79
  15. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  16. vgl. Siegfried Paul: Die Geschichte der Polizei in Hamm 1921-1945. Hamm 1984. S. 134
  17. 100 Jahre Stadtwerke Hamm/Westf. 1858-1958. Hamm 1958. S. 61
  18. Peter Voß: Die Zechen in Hamm. Werne 1994. S. 58
  19. Emil Steinkühler. Heessen (Westf.). Die Geschichte der Gemeinde. Heessen 1952. S. 284
  20. Peter Voß: Die Zechen in Hamm. Werne 1994. S. 58
  21. Michael Rost: Chronik des Bergwerks Heinrich Robert 1901-2001.100 Jahre Heinrich Robert. Bergbau in Hamm. O.O. o.J.
  22. Zeittafel, zusammengestellt von Pfarrer Hans Witt.WA vom 18.2.2012