Haus Caldenhof

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Schild vor Haus Caldenhof in Westtünnen

Haus Caldenhof war ein Herrenhaus im Stadtbezirk Rhynern.

Geschichte

Seit 1392 war die Familie von Vaersem mit Haus Caldenhof belehnt.[1] In den Jahren 1409 und 1424 finden wir Lambert van Varsem als Herrn auf Haus Caldenhof. [2] Über die Familie von Plettenberg [3] , die 1525 ein Herrenhaus errichten ließ, und den 1540 [4] belehnten Hammer Amtmann Evert von der Recke zu Uentrop kam Haus Caldenhof in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts schließlich in den Besitz der Familie von der Heyden genannt Rynsch.[5] Von 1678 bis 1726 war Bernhard Walter von der Heyden gen. Rynsch († 1726) Drost des Amtes Hamm und Rhynern.[6] In einem Bericht von 1714 heißt es:

Das Drostenamt verwaltet der von Heyden genannt Rynsch zum Caldenhoff, deme, so viel wir aus seinem uns communicirten Patent de anno 1688 finden können, die Justitz in specie nicht anvertrauet, nach Gewohnheit aber die gütliche Handlung zustehet.

Dieser dürfte in dem unten angefügten Gedicht des Wilhelm Neuhaus Erwähnung finden.
1753 wurde das Gut jedoch allodifiziert und 1772 sowie 1785 zwangsversteigert. Für 1804 ist Friedrich Wiedenhoff, Pfarrer in Drechen, als Besitzer ausgewiesen. 1820 kaufte Elias Marks das Gut Caldenhof. 1829 betrieb dort Mitsdörffer ein Ausflugslokal (Kaffee-Schenke auf dem Caldenhofe), in dem bei gutem Wetter auch Tanzmusik geboten wurde (belegt 1832: bei Mitsdörffer zu Caldenhof). Forstmeister Jacob Loeb († 1891), der 1840 Sophie Haindorf geheiratet hatte, ließ das ältere Gebäude durch einen neogotischen Bau ersetzen, der 1858 fertiggestellt wurde. Dessen Erbe trat der 1843 auf Haus Caldenhof geborene Sohn Richard Loeb († 1906) an.[7] Im Haus Caldenhof befand sich auch eine der bedeutendsten privaten Gemäldesammlungen Westfalens, Erbe des Alexander Haindorf. Diese Sammlung wurde allerdings 1929 in Berlin versteigert. Dr. Ernst Theodor Loeb († 1964) stiftete am 24. September 1961 das Anwesen dem evangelischen Kirchenkreis Hamm, der 1967 das Haus Caldenhof abreißen ließ, um auf dem Gelände eine Schulungsstätte für Schwesternschülerinnen zu errichten.

Loblied auf Haus Caldenhof (1725)

Wilhelm Neuhaus, Professor am Akademischen Gymnasium, veröffentlichte in seinen 1725 erschienenen Otia Parerga auch ein in Distichen verfasstes lateinisches Gedicht über das Gut Caldenhof, dessen deutsche Übersetzung von Friedrich Johannes Wienstein († 1968) stammt:[8]

Gehst aus dem Südentor du hinaus, so führet ein Fußweg
Hübsch von Linden umsäumt, zu diesem Hause dich hin.
Schau! In der Ufer Grün fließt still und friedlich die Ahse,
Fische von mancherlei Art leben in ihr ohne Zahl.
Reichlich spenden die Gärten Gemüse, wie Kappus und Bohnen.
Reichlich ist auch das Obst, schwer wird den Bäumen die Last!
Schau! Auf den üppigen Weiden gedeiht manche treffliche Milchkuh;
Reichlich gedeiht alle Jahr´ hier auf den Feldern das Korn.
Und in den dichten Gebüschen und in den Tiefen der Wälder
haust Freund Langohrs Geschlecht, aber auch Eber und Hirsch.
Rings in den Fluren du findest das Rebhuhn, die Drossel, die Schnepfe.
Und man holt dieses Wild oft für die Küche herbei.
Rings umschließt das Haus ein Park mit stattlichen Bäumen.
Die nach festem Gesetz sämtlich wurden gepflanzt.
Tritt in das Haus nun ein: da siehst du stolze Gemächer.
Strahlend in ihrer Pracht, edelster Gäste wohl wert.
Hier kannst sämtliche Söhne des edlen Stammes du sehen.
Und die Könige auch kannst du hier schauen im Bild.
Lange noch stehe und blühe dies Haus! Und in ihm mög´ fröhlich
Leben sein edler Herr, der ist Droste zum Hamm.
Nestors Alter erreiche er mit seiner Gattin, der edlen,
langsam komme und spät erst das Alter heran!
Leben sollen die Söhne, und leben die Enkel der Edlen
(Gott mög´s gnädig verleihn!) bis in die späteste Zeit!

Anmerkungen

  1. Vgl. Richtering 1976, S. 130.
  2. vgl. Urkunde 1409 August 9 und Urkunde 1424 Dezember 1
  3. die Belehnung erfolgte im Jahr 1513, vgl. Urkunde 1513 Juli 5, die wurde im Jahr 1520 erneuert, vgl. Urkunde 1520 Oktober 2; interimistisch wurde im Jahr 1523 Gadert von Schelick für den minderjährigen Derich von Plettenberg belehnt, vgl. Urkunde 1523 September 26
  4. vgl. Urkunde 1540 Februar 22, allerdings wird das Lehen erst durch den Verzicht des Wigand von Plettenber im Jahr 1545 wirksam, vgl. Urkunde 1545 März 20
  5. Eine leicht zugängliche Abbildung findet sich in Hermann Josef Berges: Hamm so wie es war, Düsseldorf 1975, S. 98.
  6. Dessen Tochter Klara Christina Elisabeth (ca. 1692-1752) starb als Kanonesse des Stifts Fröndenberg; vgl. BKD 1959, S. 143 (Grabstein erhalten).
  7. Dessen jüngerer Bruder Otto Loeb (1844-1923), der 1862 am Gymnasium Hammonense sein Abitur ablegte, wurde nach einem Jurastudium 1865 als Auskultator am Appellationsgericht in Hamm zugelassen, dort 1867 Referendar und schließlich Landgerichtsrat in Düsseldorf.
  8. Die Originalseite mit der Übersetzung Wiensteins findet sich auch abgedruckt bei Hermann Sieberg: Wilhelm Neuhaus´ lateinische Gedichte über Hamm (1725) in: Festschrift zur 350-Jahr-Feier des Gymnasium Hammonense. 1657-2007, hrsg. vom Gymnasium Hammonense, Hamm 2007, S. 67-80, hier S. 79-80.

Literatur

  • BKD 1959, S. 498-502 (Haus Kaldenhof).
  • Caldenhof - in Versen gelobt. Ein Professor über den alten Gutshof, in: Unser Westfalen 1980, S. 17.
  • Susanne Freund: Sophie Haindorf - Ein jüdisches Frauenleben, in: Die vergessene Geschichte - 775 Jahre Frauenleben in Hamm. Werkstattberichte, hrsg. von Antje Flüchter-Sheryari - Maria Perrefort, Hamm 2001, S. 226-236.
  • Rolf Fritz: Eine berühmte Kunstsammlung aus Hamm, in: Heimat am Hellweg. Kalender 1959, S. 47-48.
  • Helmut Richtering: Adelssitze und Rittergüter im Gebiet der Stadt Hamm, in: 750 Jahre Stadt Hamm, Hamm 1976, S. 130.
  • Ilsemarie von Scheven: Geschichten um Haus Caldenhof. Im Jahre 1967 wurde der alte Herrensitz an der Ahse bei Hamm abgerissen, in: Unser Westfalen 1994, S. 31-33.