Keut

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ehemaliges Urkeut Logo
Isenbeck-Brauerei 1863
Haus Asbeck mit Brennerei 1986
Rechnung August Asbeck
Dampf-Kornbranntwein-Brennerei
Presshefe-Fabrik 1909

Beim Keut (Koit) - auch die Keut - handelt es sich um ein besonders hochwertiges Bier, das im westlichen Westfalen und im Rheinland gebraut wurde. Die Hammer Keutbrauer verhandelten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ihr Bier weit über die Stadtgrenzen hinaus. Sogar Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Preußen gehörte 1649 zu den Konsumenten. Professor Wilhelm Neuhaus schrieb 1707 über den Keut:[1]

Sowohl an Süßigkeit wie in Nährkraft gibt es nichts Vorzüglicheres als den Keut, Ganymed hätte ihn ruhig dem Jupiter kredenzen können, er ist auch nicht die letzte Lebenskraft und Zierde der Stadt Hamm. Diese ist nicht so sehr durch den Turm von St. Georg, der zum Himmel ragt und seinesgleichen kaum hat, nicht so sehr durch ihre angenehme und gesunde Luft, die wunderbare Fruchtbarkeit ihrer Äcker und Weiden, ihren Reichtum an jagdbaren Tieren und Fischen und andere Dinge weit und breit berühmt geworden, als durch die Vorzüglichkeit ihres Keut. Den Einheimischen ist der Keut über alle Maßen lieb und wert. In Hamm glaubt man, daß der, der Keut hat und trotzdem Wein haben will, nicht ganz richtig ist. Nicht weniger geschätzt ist der Keut bei den Auswärtigen.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging das Brauereigewerbe in der Stadt Hamm immer mehr zurück. Während es 1719 in Hamm noch 61 Braustellen gab, waren es 1798 nur noch 31. Die Isenbeck-Brauerei, die Kloster-Brauerei Pröpsting und die Kornbranntweinbrennerei und Hefefabrik August Asbeck haben in Hamm bis in das 20. Jahrhundert diese Brautradition fortgesetzt.

Zur Herkunft des Wortes Keut

Friedrich Johannes Wienstein wies nach, dass sich das Wort Keut über das lateinische "cocta" (das Gekochte) zum französischen "cuite" entwickelte, das wiederum in das Limburgische als "keut", in das Mittelniederländische als "coyte" einwanderte, aber auch "cuit" geschrieben wurde. Im Friesischen wurde es als "Koyt" heimisch. Der Münsterische Humanist Johannes Murmellius setzte nach Wienstein in seiner Einteilung der Güteklassen der Biere die höchste Stufe (= cerevisia Batavica) mit dem Keut gleich. Somit sind Ableitungen des Wortes Keut aus dem lateinischen "conventus", das im Mittelniederdeutschen zu "Kovent" wurde und einerseits Klosterbewohner, andererseits aber auch das in den Klöstern gebraute Dünnbier bezeichnete, nicht zutreffend.

Anmerkungen

  1. zitiert nach Bauert-Keetmann 1965, S. 200.

Literatur

  • Ingrid Bauert-Keetman: Die Wirtschaftsgeschichte der Stadt Hamm, in: Hamm. Chronik einer Stadt, Köln 1965, S. 190-249, hier: S. 198-200.
  • F[riedrich] J[ohannes] Wienstein: "De Keuta Hammonensi", Vom Alt-Hammer Bier und seinem Namen, in: WAK vom 21.10.1960.
  • F[riedrich] J[ohannes] Wienstein: "Keut" von Rom nach Hamm. Lateinisch-französisches Wort holländisch geschrieben, in: WAK vom 22./23.10.1960.

Der Hammer Keut als Notgeldmotiv

Während auf der Vorderseite des 10-Pfennig-Notgeldscheins vom 1. Oktober 1921 zwei fröhliche Zecher abgebildet sind, findet sich auf der Rückseite des vom Oberbürgermeister Josef Schlichter unterschriebenen Scheins das bekannte, von Johann Kayser verfasste Lobgedicht auf Hamm.

Bierdeckel

Der Hammer Keut in der Literatur

  • Johann Kayser (1698), Rektor der Lateinschule in Lippstadt, sei 1683 Pfarrer in Kleve:
Hamm ist der kleine Haag, das Markbein in der Mark,
Hamm ist der Musensitz, da sind die Leute stark.
Hamm gibt uns guten Fisch, Hamm gibt uns gute Schinken,
Hamm gibt vor wenig Geld den besten Keut zu trinken.

aus: Clevischer Musenberg, zitiert nach: Johann Diederich von Steinen: Westphaelische Geschichte 4, Nachdruck Münster 1964, S. 545.

  • Professor Wilhelm Neuhaus (1725), Nachdichtung in lateinischen Hexametern:
Hammona est Comitum minor Haga, medullaque Marcae,
Gaudet Athaeneo, pollent ibi robore cives,
Eximios praebet pisces pernasque suillas,
Illic & parvo bibitur sapidissima Keuta.

aus: Oratio de Keuta Hammonensi, S. 29, zitiert nach: Johann Diederich von Steinen: Westphaelische Geschichte 4, Nachdruck Münster 1964, S. 545.

Dass die Hammer Bürger über eine kräftige körperliche Verfassung und geistige Frische verfügen, davon legt der Augenschein selbst ein beredtes Zeugnis ab. Außer dem guten Klima schreiben wir das der wohltuenden Wirkung des Keut zu; denn er zieht aus dem Wasser der Lippe, nicht aus jeglichem Lippewasser, sondern aus dem des Hammer Flussbettes, auf Grund einer verborgenen Wohltat der Natur seine besondere Güte und Kraft, die man anderswo umsonst sucht.

aus: Otia parerga, zitiert nach: Hermann Josef Sieberg: De potu et potulentis - Festrede bei der Übergabe des Präsidiums am Gymnasium illustre, Hamm, den 7. Juli 1707, in: Professoren, Studenten, Bücher. Hamm im 17. und 18. Jahrhundert, hrsg. im Auftrag der Stadt Hamm von Volker Pirsich, Hamm 2009, S. S. 262.

Tag und Nacht Six-Cinque spielen
Samt Carnüffel und Triumph;
Oder wie die Sau im Sumpff
Aller Eitelkeiten wühlen,
Sage ich ihm als Prophete,
Machet Schlümpel und La-bête.
Allezeit die Fiedel streichen
Bey der nassen Bruderschaft,
Wo der Keut und Rebensafft
Wirket krumme Wunderzeichen;
Oder immer Türe-lüren
Kann der Jugend nicht gebühren!

aus: Otia parerga, zitiert nach: W. Siegmund: Das Gymnasium Hammonense von 1657-1957, in: Festschrift zur 300-Jahr-Feier des staatlichen Gymnasiums in Hamm (1657-1957), Hamm 1957, S. 77.