Urkunde 1520 September 28

Goddert von Harmen schreibt am 28. September 1520 als Antwort auf die Schreiben des Lambert von Oer, die dieser an den Bischof von Osnabrück geschickt hatte.
Wortlaut
Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. ) zitiert: [1]
I. f. G. schrifte mit ingelachter copien Lambert van oir heb' ick demodigen entfangen.- So Lambert van Oir under andern doet luden, dat ick em unentfachter verhede und unverwaret miner eere gegrepen hebbe, hier up sage ich, dat he sulx boeßlichen gedichtet. So Lambert oich weder antuidt, (dat) ick enne mit unmanierlichen halsbande behachtet hebbe, heb ich dann sulx gedaen, gelich der sachen nodich was, angesein he ungodtlichen, unredeligen, boesligen und snotlichen mit der frouwen, dar he dat guidt van gekregen, gehandelt und umme gegaen heft und umme er guidt gebracht mit einen valschen, unerligen tittel tegen recht, dardorch ich, g. F. u. Her, heb' ich Lambert den halsbandt umme gespannen, up (dat) he der gefencknisse nicht vergetten solde und er anseen aller frommen lude, geistlich und wertlich, dat he gefangen were und sich in dechtnisse holde, wo hoichligen he interste [vielleicht intercessione] Johan van Hovel ein gefencknisse gelovet, und so sulx gescheit, sin ich sulvest an en gekommen und ennen gefraget, oft he Johan vorst. gelavet heft, he mi doen antworden, Ja. Heb ich Johann van Hovel gesacht, he Lamberte schelde in mine hande, dann he so gedaen hest, he mi alsdoe gelovet eine gefencknisse, des neisten fridages na sunt Jacob neist verleden, als voer dat overste hues to Pathberge und sine vinger upgeholden und gestavedes eides ton hilligen gesworen, dem so to doen. So nu sulx gescheit, heb ich en den halsbandt umme gedaen, oirsache wa vorger. Heft mi Lambert alsdoe noch eins up dat nige gelovet, alle puncte des gestaveden eides und der gefencknisse upp stede und tidt woe vorst. mi to holden, als einen rittermetigen mann van eren geboert, und geeischt, dan oft em godt hulpe oft de lude, mit worden edder instrumenten, edder woe em gehulpen worde, edder van fursten und heren, capittel, stadt oder stedde, frunde edder maige, gegreppen edder getovet worde, woi dem geschein mochte, will he sich dan der gefencknisse entflaen und mi allene holden, dat he mi to gode und den hilligen mit upgerichten vingeren gesworen, gelovet und handttastinge gedaen heft, dat ick em so overwiesen will mit twen rittermetigen mans, edder mit der handt, up plaetzen und steden, dar sich dat geboirt, und off he sich vermoinde, to olt to sin, bestelle he mi sinen sonne in der stedde, und oft ich em den halsbandt nicht umme gespannen hedde, wolde he mye der gefencknisse ane twivell gelovet hebben. So he doch vormeldet in sinen schriften, (dat) ick enne mit sodanigen eide nicht angelanget hebbe, dat ick em, woe vorst. overwisen will. So Lambert vormeldet, woe he elendigen to Münster mit den halsbande ingekommen und de landtschap alsdoe binnen Munster den verloep und gestalt vorgegeven, dejulvigen em to erkannt hebben, dat he verloep des handels twen unparthielichen fursten solde to kennen geven, wes de dar uf erkennen, he sich dar nae solde richten, und vermeinde oich genoich mi darmede to doen, sulx g. F. u. H. heft he mi nicht gelovet und gesworen, und oft he mit dussen unwaraftigen schriften mi so vermeinde hen to leggen, will ich dar oich nicht mede gesediget sin, dan will antasten min guidt und vort vorfolgen Lamberten van Oer sampt sine kinder, geistlich und wertlich und oer guder mit allen den genen, de em behulp und bistand gedaen hebben und noch doen werden, mit rove und brande, woe ich mi des best bekommen. - Da mi vermerckt is, dat ich eine gotlige, rechtverdige billiche sache hedde und Lambert dat guidt mit einen valschen boeslichen, ungloflichen tittel tegen godt, ere und recht besittet, hoppe und twivel nicht, j. f. G. sulx wall ein bewitten hebben, ich wolde Lamberte wider schelden und schriven an alle fursten und heren und upslaen an kercken und clusen, an stadt und stede und allen enden, dan will (ick) mi des dorch j. f. G. noch ein tidtland entholden, begeren ich van j. f. G. boldigen toverlatigen bescreven antwort bibrenger dusses breifs mi to beschicken. - Ingesegel am avende Michaelis anno XVcXXmo J. f. G. guetwilliger Goddert Harmen.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Eurer fürstlichen Gnaden Schreiben mit der beiliegenden Abschrift [bezüglich] Lambert van Oer habe ich demütig empfangen.
Da Lambert van Oer unter anderem verlauten lässt, dass ich ihn ungefehdet (ohne Fehdeankündigung) und unter Missachtung meiner Ehre ergriffen (gefangen genommen) habe, sage ich hierauf, dass er dies böswillig erdichtet hat.
Da Lambert auch wiederum vorgibt, dass ich ihn mit einem ungebührlichen Halsband gefesselt habe: Wenn ich dies getan habe, so war es der Sache nach notwendig, da er ungöttlich, unredlich, böswillig und schändlich mit der Frau, von der er das Gut bekommen hat, gehandelt und umgegangen ist und sie um ihr Gut gebracht hat mit einem falschen, unehrlichen Titel gegen das Recht. Deswegen habe ich, gnädiger Fürst und Herr, Lambert das Halsband umgelegt, damit er die Gefangenschaft nicht vergessen sollte und damit alle frommen Leute, geistlich und weltlich, sehen, dass er gefangen war und sich im Gedächtnis halte, wie hochheilig er unter Fürbitte von Johan van Hovel eine Gefangenschaft durch Eid versprochen hat.
Und als dies geschehen war, bin ich selbst zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, ob er dies Johan wie vorgenannt gelobt habe; da hat er mir geantwortet: „Ja“. Da habe ich zu Johann van Hovel gesagt, er solle Lambert in meine Hände entlassen, da er so gehandelt habe. Er hat mir alsdann eine Gefangenschaft gelobt am nächsten Freitag nach Sankt Jakob, der jüngst vergangen ist, und zwar vor dem obersten Haus zu Padberg; und er hat seine Finger erhoben und einen Stabeid (einen feierlichen Eid auf den Richterstab) auf die Heiligen geschworen, dem so nachzukommen.
Als nun dies geschehen war, habe ich ihm das Halsband umgelegt, aus den vorerwähnten Gründen. Da hat mir Lambert nochmals aufs Neue gelobt, alle Punkte des Stabeides und der Gefangenschaft zu Ort und Zeit wie vorgenannt mir gegenüber einzuhalten, wie es einem rittermäßigen Mann von ehrenhafter Geburt gebührt. Und [er hat] erklärt: Wenn ihm Gott hülfe oder die Leute, mit Worten oder Urkunden, oder wie auch immer ihm geholfen würde, oder von Fürsten und Herren, Kapitel, Stadt oder Städten, Freunden oder Verwandten, ob er nun befreit oder losgekauft würde, wie auch immer das geschehen mag, wenn er sich dann der Gefangenschaft entziehen und sich allein an das halten will, was er mir vor Gott und den Heiligen mit aufgerichteten Fingern geschworen, gelobt und per Handschlag zugesagt hat, dann will ich ihm das so mit zwei rittermäßigen Männern beweisen – oder mit der Hand (im Zweikampf) auf Plätzen und Orten, wo sich das gebührt. Und falls er vorgibt, zu alt zu sein, soll er mir seinen Sohn an seiner statt stellen. Und wenn ich ihm das Halsband nicht umgelegt hätte, so wollte er mir die Gefangenschaft ohne Zweifel gelobt haben.
Obwohl er nun in seinen Schriften behauptet, dass ich ihn mit einem solchen Eid nicht belangt habe, will ich ihm das wie vorgenannt beweisen.
Da Lambert ferner berichtet, wie er elendiglich in Münster mit dem Halsband eingeritten ist und die Stände damals binnen Münster den Verlauf und die Beschaffenheit [der Sache] dargelegt haben, und dieselben ihm zuerkannt haben, dass er den Verlauf des Handels zwei unparteiischen Fürsten zur Kenntnis geben solle und sich nach dem richten solle, was diese daraufhin beschließen, und er meint, mir damit Genüge zu tun: Solches hat er mir, gnädiger Fürst und Herr, nicht gelobt und geschworen! Und wenn er mich mit diesen unwahren Schriften so abzuspeisen meint, so will ich mich damit auch nicht zufriedengeben, sondern ich will mein Gut zurückfordern und fortan Lambert van Oer samt seinen Kindern, geistlich und weltlich, und ihre Güter verfolgen mit all jenen, die ihm Hilfe und Beistand geleistet haben und noch leisten werden – und zwar mit Raub und Brand, wie ich es am besten vermag. Da mir ersichtlich ist, dass ich eine gottesfürchtige, rechtfertige und gerechte Sache habe und Lambert das Gut mit einem falschen, böswilligen, unglaublichen Titel gegen Gott, Ehre und Recht besitzt, hoffe und zweifle ich nicht, dass Eure fürstlichen Gnaden hiervon wohl Kenntnis haben. Ich wollte Lambert wieder Fehde ansagen und an alle Fürsten und Herren schreiben und [Fehdebriefe] anschlagen an Kirchen und Klausen, an Stadt und Städten und an allen Enden; doch will ich mich dessen durch Eure fürstliche Gnade noch eine Zeit lang enthalten. Ich begehre von Eurer fürstlichen Gnaden eine baldige, verlässliche, schriftliche Antwort, die mir durch den Überbringer dieses Briefes zugestellt wird. Unter meinem Siegel am Vorabend von Michaelis (28. September) im Jahre 1520. Eurer fürstlichen Gnaden gutwilliger Goddert Harmen.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193