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Urkunde 1520 Juli 29

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Das eiserne Halsband des Lambert von Oer

Die Münsterischen Landstände schreiben am 29. Juli 1520 an den Jungherzog von Kleve hinsichtlich der Auseinandersetzung zwischen Goddert von Harmen und Lambert von Oer.

Wortlaut

Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 166-167) zitiert: [1]

Ist darnest als nemptlich fridach na Jabobi des hilligen apostels dage, so wi up einen gemeinen landtdage binnen Munster umb merklige, disses landes anliggende sacken bieinanderen gewesen, vor uns gekommen upgemelte Lambert in elendiger gestalt und uns erkennen gegeven, wi unser g. H. van Munster ennen geschreven, sodanigen dach to olden Luynen als vorg. holden solden tegen Goddert vorg., des he als gehorsamer undersate willich und sick vorgerorter gebrecke oick up u. f. G., vor hern tor Berch muntligen und na schriftligen erboden, dar umb he dan siner frunde ein deil to Ludinchusen up funte Jacobs dage to misse tidt bescheiden in siner kerspelskercken, rades mit den to plegen upgerorter saken. Als he nu wederumme na sinen hues gereißet, sy Goddert vorg. mit acht reisigen perden underweges geweltligen und gewapender handt, unentsachter vehede und unverwarnt an em gefallen, dorch sine deiner den van den perd geslagen, jammerliken gewundet, sin pert genommen gefangen und darnaist ergenannter Goddert selffs to und afgereden, einen iseren halsbandt mit wederstendigen, mannigfoldigen scharpen tacken, den man billike ginen frommen rittermetigen man solde an doen, em umb sinen hals geslotten, und heft gemelten Lamberte sick dar neest von sinen knechten in siner handt und gefencknis laten stellen und Lamberte so gefencklich angenommen und loeffte van em gedrungen (dat) he to Patberge sundach daer disses breifs bi der sunnen inholden und komen solde, dar em dan vorder bescheit gegeven solde werden van Godderdz wegen vorg. Dar umb dann Lamberte vorg. uns gebeden rades, wo he sick in dissen falle solle holden (dat) he siner eren genoich und nicht to kort doe, dat er frome rittermatich man bi tachtentich jaren olt, dorch den Halsbandt, wunden und gefencknis noch is ungestalt, to riden und to reisen, und so em godt und de lude nicht geholpen, dar de halsbandt an sinen halse be nachtet were, solde he umme dat levent dorch swellinge, wo ogen schin, als to vormoden, gekommen sin, und dar desse handel, wo vorg. vorlopen, heb wi Lamberten vorg. gesacht, oick meinen nicht unbillich to erkant, dat, so balde he riden und reisen konne siner wundinge und ungestalt halven, van stundt in eins unparthielichen fursten stadt eder flecke, dar Lambert und sin wederparth nicht under wonhaftich, reisen und dar oick bliven solle, sick oick erbeiden, an twe unparthielige fursten, de na ergencknisse des handels wo vorg. er kennen, wer Lambert vorg. plichtich sy intokomen to Patberge intoholden na siner afgedrungener loften, und dan sodaniger erkentnis gehorsam so sin, dar mede he siner eren genoichsam verwaret bis to sodaniger erkenntnis, oick ut der stadt oder flecke he als vorg. inreisen wert, vor sodaniger erkenntnis aen rechte noit nicht to verreisen, welken verloip und handel als vorg. wi j. f. G. na aller gestalt mede umb schrifte de hoichgedachte unse g. H. van Munster an uns Domdecken, Capittell und stadt vorg. sodaner geschicht halven gelangt vermeldinge einer hir inversloten copien nicht heben mogen verbergen, mit demodiger bede und begerte, i. f. G. willen betrachten, na dem u. f. G. tuschen gemelten parthen erer gebrecke halven guetlige dage angestalt, de als vorg. oick umst. schrifft halven der wegen an upgemelten Lambert geferdiget, angenommen und dar naist van uns u. f. G. to geschreven, und na der tidt Lamberten vorg. unverwarnt, unentfachter vehede gefangen, gewundet und so uncristligen gehelst, dar umme j. f. G. gemelten Harmen to vermogen, Lamberten vorg. sodaniger gefencknisse quit ledich und loes maken und schelden, und ock sin afgenommen perdt unverdorven wederstelle, des handels sinen schaden richte und sunst anders dar vor plege und doe, wat billick recht, und als sulx gescheit is, dar nest upgerorten gebrecke, dar emme u. f. G. den erbenompten dach angesat to verhoren gestalt mogen werden, wo wall wi nu nicht twivelen, u. f. G. werde sich hier furftligen und gunstlich inne bewiesen, begeren wi nochtans hir van gnediger toverlatiger beser. antworde van u. f. G. de Godt de Almechtig in heilsamer hoger walfar lange friste under unses Capittels segel. Gegeven am sundage naist Jacobi apostoli anno XX. Decanus et Capitt. eccl., Eddelmannen, Ritterschaft, Stadt und Stede Stifts Munster.

Übersetzung

Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:

Am vergangenen Freitag nach dem Tag des heiligen Apostels Jakobus, als wir wegen bedeutender, das Land betreffender Angelegenheiten auf einem gemeinsamen Landtag in Münster versammelt waren, trat der obengenannte Lambert in kläglicher Gestalt vor uns. Er gab uns zu verstehen, dass unser gnädiger Herr von Münster ihm geschrieben habe, er solle an besagtem Tag zu Alt-Lünen einen Termin mit dem vorgenannten Goddert wahrnehmen. Lambert habe sich als gehorsamer Untertan bereit erklärt, seine Streitigkeiten beizulegen, und dies Eurer Fürstlichen Gnaden (u. f. G.) sowie dem Herrn von den Berch mündlich und schriftlich angeboten. Deshalb hatte er einen Teil seiner Freunde nach Lüdinghausen auf den Jakobustag zur Messezeit in seine Kirchspielkirche bestellt, um mit ihnen über diese Angelegenheiten Rat zu halten. Als er nun wieder nach Hause ritt, fiel der vorgenannte Goddert mit acht berittenen Knechten unterwegs gewaltsam und mit gewappneter Hand über ihn her – ohne rechtzeitige Absage der Fehde und ohne Vorwarnung. Durch seine Diener ließ er ihn vom Pferd schlagen, jämmerlich verwunden und nahm sein Pferd sowie ihn selbst gefangen. Danach ritt der genannte Goddert selbst hinzu und legte ihm ein eisernes Halsband mit widerständigen, vielfachen scharfen Zacken an – ein Instrument, das man billigerweise keinem frommen, rittermäßigen Mann antun sollte. Er schloss es ihm um den Hals und ließ Lambert durch seine Knechte in seine Gefangenschaft führen. Dort erzwang er von Lambert das Versprechen (Urfehde/Gelöbnis), dass dieser am Sonntag nach Ausfertigung dieses Briefes bei Sonnenaufgang in Padberg erscheinen solle, um dort weiteren Bescheid von Godderts wegen zu erhalten. Darum hat uns der vorgenannte Lambert um Rat gebeten, wie er sich in diesem Fall verhalten solle, damit er seiner Ehre Genüge tue und nicht zu kurz komme. Er ist ein frommer, rittermäßiger Mann von etwa achtzig Jahren, der durch das Halsband, die Wunden und die Gefangenschaft noch immer so entstellt und geschwächt ist, dass er kaum reiten oder reisen kann. Hätten Gott und die Leute ihm nicht geholfen und wäre das Halsband eine Nacht länger an seinem Hals geblieben, wäre er durch die Schwellung – wie augenscheinlich zu vermuten war – ums Leben gekommen. Nachdem wir diesen Handel geprüft haben, haben wir Lambert gesagt und für recht erkannt: Sobald er aufgrund seiner Wunden wieder reisen kann, soll er sich unverzüglich in die Stadt eines unparteiischen Fürsten begeben, in der weder er noch sein Gegner wohnhaft sind. Dort soll er bleiben und sich bereit erklären, zwei unparteiische Fürsten entscheiden zu lassen, ob er verpflichtet ist, sein erzwungenes Versprechen in Padberg einzuhalten. Damit bleibt seine Ehre gewahrt. Bis zu dieser Entscheidung soll er die Stadt nicht ohne rechtliche Notwendigkeit verlassen. Diesen ganzen Vorlauf und Handel konnten wir Eurer Fürstlichen Gnaden nicht vorenthalten, zumal uns auch ein Schreiben unseres gnädigen Herrn von Münster (Domdekan, Kapitel und Stadt) zu dieser Geschichte vorliegt (siehe beigefügte Kopie). Wir bitten und begehren untertänigst, Eure Fürstliche Gnade möge Folgendes bedenken: Da Ihr bereits einen Tag zur gütlichen Einigung zwischen den Parteien angesetzt hattet, den Lambert angenommen hatte, und er danach dennoch unbewarnt, ohne Fehdeansage gefangen, verwundet und so unchristlich „gehalst“ (mit dem Halsband versehen) wurde, möget Ihr auf den genannten Harmen einwirken. Er soll Lambert von seinem erzwungenen Gelöbnis entbinden, ihm sein Pferd unversehrt zurückgeben, Schadenersatz leisten und tun, was recht und billig ist. Hierüber erwarten wir eine gnädige und zuverlässige Antwort von Eurer Fürstlichen Gnade, die Gott der Allmächtige lange in gesundem Wohlergehen bewahren möge. Unter unserem Kapitelsiegel. Gegeben am Sonntag nach dem Apostel Jakobus im Jahre [15]20. Dekan und Kapitel der Kirche, den Edelleuten, der Ritterschaft und den Städten des Stifts Münster

Literatur

  • Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
  • Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142

Anmerkungen

  1. Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
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