Urkunde 1520 August 9

Berndt von Oer schreibt im August 1520 an den Jungherzog Johann von Kleve in den Streitigkeiten zwischen Goddert von Harmen und seinem Vater Lambert von Oer.
Wortlaut
Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. ) zitiert: [1]
Na der handt, als up sunte Jakob des hilligen apostels dage als min leve vader van der kercken na der misse, so he ezlike siner frunde dar bescheiden und sich dar mede besprocken und de solvige sake gerathschlaget hadde, wu he to I. f. G. up gerorten angesatten dage sich schicken, stellen und halden mochte und weder na huse riden wolde, upgedachter Goddert solvest mit etzliken reisiger gewart up mins gnedigen heren von Munster frien straten gegen minen leven vader unentfachter veheden unverwarnet gefallen und dorch sine hulpere min vader van sinen perde geslagen, gewundet, gefangen und selves to und afgefallen und minen leven vader mit einen unwanthligen, ungeboirligen, uncristlichen, isernen halsband
umme sinen hals geslotten, sich minen vader in fine handt gefenckliken laten stellen und gefangen sin perdt genommen und inbedaget des negestvolgende sondages bi der sonnen up Patberge kommen solde, dar he dan van Harmans vorg. wegen vorder bescheit krigen solde, welcker Halsbandt also gestalt, dat min leve vader umme dat levent solde gekomen sin, wair he in den benachtet und nicht dar van mit godz hulpe irlost weer als ogen schin. Sodanigen halsbandt man billix ginen frommen, olden, rittermetigen guden manne van tachtentich jaren den gefangenen solde umme geslagen hebben, der geschicht halven min leve vader also gestalt, dat he sich to perde nicht behelpen noch reisen kan, de wile nu min leve vader in sodaniger gutligen anfettinge des dages van J. f. G. upgenommen und angestalt van Godderde vorg. so geweltlich und unerlich unentsachter vehede verraschet und bedranget. Anroipe und bidd ich deinstlich I. f. G. sodanigen ungotligen, uncristligen und ungeboirligen handel van i. f. G. undersaten, wu vorg. begangen, willen furstligen betrachten und gemelten Goddert vermogen und anholden, min vader sodaniger angedrungenen Loefte und gefencknisse entleddiget und quitgeschulden werde, mit richtinge sins geleden schaden, und min vader vor sodanigen handel doe na geboirt, angesehen sulx alles van Goddert binnen gutligen angesatten dagen, wu vorg. gescheien und verhandelt is worden, sulches gescheit, sulle I. f. G. dan mechtich sin mins leven vaders na vorger. erbeidunge der wegen up J. f. G. muntlich und schriftlich gescheit is, ock Harman nicht laitten verhengen enige geweltliche averfaringe ut und in u. f. G. lande noch mit behulpen i. g. undersaten aver minen vader to gescheiden. Solx gebort mi umme 3. f. G. na vermogent mit willigen denste to verdeinen, wo wall ich mi nu vertroiste, J. f. G. sich furstligen hier inne bewisen werden, wes nochtent min leve vader sodaniger erbeidunge fall mogen geneiten, bidden ich genediger bescrevener toverlatige antwoorde van u. f. G., de godt almechtiger in hoger heilsamer wolfart lange friste. Under minen segel geschreven am am avende Laurentii mart. (10. August) anno XVcXX°.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Kurz darauf, am Tag des heiligen Apostels Jakobus, geschah Folgendes: Nachdem mein lieber Vater nach der Messe aus der Kirche kam, wo er einige seiner Freunde bestellt und mit ihnen besprochen und beraten hatte, wie er sich gegenüber Eurer Fürstlichen Gnaden (E. f. G.) an dem besagten, angesetzten Termin verhalten, stellen und schicken sollte, wollte er wieder nach Hause reiten. Dabei fiel der obengenannte Goddert selbst mit etlichen Berittenen auf der freien Straße meines gnädigen Herrn von Münster über meinen lieben Vater her – ohne Absage der Fehde und ohne Vorwarnung. Durch seine Helfer wurde mein Vater vom Pferd geschlagen, verwundet und gefangen genommen. Goddert selbst stieß hinzu und legte meinem lieben Vater ein ungewöhnliches, ungebührliches, unchristliches, eisernes Halsband um seinen Hals. Er ließ meinen Vater gefangen in seine Hand stellen, nahm ihm sein Pferd weg und setzte ihm eine Frist: Er solle am nächstfolgenden Sonntag bei Sonnenaufgang in Padberg erscheinen, um dort von Harmans [Godderts] wegen weiteren Bescheid zu erhalten. Dieses Halsband war so beschaffen, dass mein lieber Vater ums Leben gekommen wäre, hätte er darin übernachtet und wäre er nicht mit Gottes Hilfe davon erlöst worden, wie offensichtlich zu sehen war. Ein solches Halsband sollte man billigerweise keinem frommen, alten, rittermäßigen und guten Mann von achtzig Jahren anlegen. Aufgrund dieser Tat ist mein lieber Vater in einem solchen Zustand, dass er sich auf einem Pferd nicht halten und nicht reisen kann. Da mein lieber Vater nun während der schwebenden gütlichen Verhandlung, die von E. f. G. angesetzt war, von dem vorgenannten Goddert so gewaltsam, unehrenhaft und ohne Fehdeansage überfallen und bedrängt wurde, rufe ich E. f. G. an und bitte inständig: Wollt diesen unnatürlichen, unchristlichen und ungebührlichen Handel, den Euer Untertan begangen hat, fürstlich betrachten und den genannten Goddert dazu bewegen und anhalten, meinen Vater von dem erzwungenen Versprechen und der Gefangenschaft zu entbinden und ihn loszusprechen – inklusive des Ersatzes des erlittenen Schadens. Mein Vater wird in dieser Sache das tun, was sich gebührt. Da dies alles von Goddert während der Zeit der angesetzten gütlichen Tage geschah, sollten E. f. G. die Macht über meinen Vater haben (wie er es bereits mündlich und schriftlich angeboten hat). Auch möget Ihr Harman nicht gestatten, weitere gewaltsame Übergriffe innerhalb oder außerhalb Eures Landes gegen meinen Vater zu begehen, noch ihn dabei durch Eure Untertanen unterstützen zu lassen. Dies zu verdienen bin ich bereit, E. f. G. nach Kräften mit willigem Dienst zu vergelten. Obwohl ich darauf vertraue, dass E. f. G. sich hierin fürstlich verhalten werden, und mein Vater den Schutz seines Angebots genießen möge, bitte ich um eine gnädige, schriftliche und zuverlässige Antwort von E. f. G., welche Gott der Allmächtige in hohem, heilsamem Wohlergehen lange bewahren möge. Unter meinem Siegel geschrieben am Vorabend des Märtyrers Laurentius (9. August) im Jahre 1520.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193