Urkunde 1520 August 17

In einem Brief an den Herzog von Kleve vom 17. August 1520 rechtfertigt sich Goddert von Harmen für sein Vorgehen gegen Lambert von Oer. Er fühlt sich in einer Notlage und zusätzlich durch Lambert Sohn provoziert, offeriert aber ein Einlenken und bittet seinen Landesherrn um Schutz.
Wortlaut
Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 168-169), der den Brief auszugsweise wiedergibt, zitiert: [1]
… sodaß ich mich des nit lenger bedulden mochte und verorsacht, mit hilf und raidt meiner frunde dar zu zu trachten, und ander wege darzu erdacht und Lambert van Oer in eigener person gefencklich angenommen, mit ime gehandelt, ich des zur eren verantworten will, doch nit um seines libs und guits, sunder uf widdererstattung meiner versprochenen und zukommenden hausfrauwen vetterlig und mutterlig erbe mit richtungen ufgewanter kosten und schaden - und die weile ich aus mercklicher noit und desselben Lambert van Oer seins sonnes hoinlichen und spißigen drauwort über de gewalt, so er uf mich und uf dem junxten gehalten dage ausgeforffen, wo er hinder dem wein und beer gesessen, da hen bewegt, i. f. G. wollen das genediglich und woll anders beherzigen, mich nicht sogar in ewigen verderb weisen. So mir Lambert van Oir ein gefencknis seinen hoigen geloften nach (und als ich nicht zwivel er wie einen frommen rittermann zu eigt) mir halten thut, will ich so redlig aller billicheit und geboir na gesunden werden, da mit die sache hengelegt sin sall. Bitt darumb u. f. G. als meinen natürlichen landtfursten uber mich armen underdanen schutzen, schirmen auch mich bei meinen rechten der billicheit nach halten und handthaben.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
... sodass ich dies nicht länger erdulden konnte und mich veranlasst sah, mit Hilfe und Rat meiner Freunde danach zu trachten und andere Wege zu ersinnen, um Lambert von Oer persönlich gefangen zu nehmen. Dass ich so mit ihm verfahren bin, will ich ehrenhaft verantworten; es geschah jedoch nicht, um ihn an Leib und Gut zu schädigen, sondern um die Wiedererstattung des väterlichen und mütterlichen Erbes meiner mir versprochenen künftigen Ehefrau sowie den Ersatz der aufgewendeten Kosten und Schäden zu erzwingen.
Da ich aus erheblicher Not heraus handelte – und auch wegen der höhnischen und spitzen Drohungen von Lambert von Oers Sohn –, sowie aufgrund der Gewalt, die er gegen mich auf dem jüngst gehaltenen Tag (Verhandlungstermin) ausgestoßen hat, wann immer er hinter Wein und Bier saß: Daher bitte ich Eure Fürstliche Gnade (E. f. G.), dies gnädig und wohlwollend zu beherzigen und mich nicht völlig in das ewige Verderben zu stürzen.
Sofern Lambert von Oer mir gegenüber die Gefangenschaft gemäß seinem hohen Gelübde einhält (und ich zweifle nicht, dass er sich wie ein frommer Rittermann verhalten wird), will ich mich so redlich, nach aller Billigkeit und Gebühr erklären, dass die Sache damit beigelegt sein soll.
Darum bitte ich E. f. G., mich als meinen natürlichen Landesfürsten und armen Untertanen zu schützen und zu schirmen sowie mich bei meinen Rechten der Billigkeit nach zu halten und zu schützen.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193