Urkunde 1380 April 27

Die Bürger von Hamm erhalten durch eine auf den 27. April 1380 datierte Urkunde von Graf Engelbert von der Mark das Privileg, dass weder sie noch ihr Gut im Bereich der gräflichen Lande aufgehalten und gepfändet werden dürfen.
Ausfertigung
Eine beglaubigte Abschrift der Urkunde aus dem Jahr 1751 befand sich im Stadtarchiv Hamm, ist aber bei einem alliierten Luftangriff im 2. Weltkrieg zerstört worden.
Wortlaut
Das Dokument hat folgenden Wortlaut: [1]
Wy Engelberth greve thor Marcke erkennet in düssen breyve, dat wy na rade unser vrent hebbet gegheven redelicken und rechtlicken eene genade und ghevet in düssen breyve unsen leyven vrenden der stadt thom Hamme und an unsen burgheren, dat men unse leyven burghern thom Hamme erre lief, erre gud, erre have binnen unse lande nycht sall bekümmern ofte besetten, und wann dat ghesche, wanner dat wird openbar und küntlich, so sall men dey bezate off den kummer genslicken nederslaen. Und will sey wey ansprecken und schuldighen, dat sal hey don binnen dem Hamme in unse gerichte, und dar sullen unse voorgemelten burghere recht neemen und gheven tho winne und tho verluse. Vortmeer so hebben wy en gegheven dese ghenade, so wanner wy daer settet eynen gogreven, dat hey en sall nycht gaen op den richtestol und sall daer nicht richten, und dem sal men nicht wesen horsam, dann hey sall thom eyrsten gan voor unsen sittenen raedt thom Hamme en sall vor en schulden dat ammet, als eyn wonede hevet ghewesen van aldes by all unser aldern tyd und by all den raede, dey do hebbet ghewesen und oyck als dat hevet ghewesen by unser tydt und by den raede, dey tho dessen selver tyden ghewesen hebbet. Und des hebbet unse leyven burghere thom Hamme unss weder entlehnet thor handt dusent gude guldene florins, dey sey woll hebbet betalet in dey hand, daar wy sey hebbet inghewyset.Und wanner wy, offt unse nakomelinge sey wedergevet dusent gude goldene florins, so is dese breyff ledigh und loß, so sollen dann desse recht vorgemelt weder blyven tho aldeme rechte, als dey tho voren hebbet ghewesen. In testimonium praemissorum siggilum nostrum de nostro iussu et sictu praensentibus est appensum. Datum anno Domini millesimo trecentesimo octagesimo feria sexta proxima ante Dominicam qua cantatur: Cantate.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Wir, Engelbert, Graf von der Mark, bekennen in diesem Brief, dass wir nach dem Rat unserer Freunde unseren lieben Freunden, der Stadt Hamm, und unseren Bürgern rechtmäßig und redlich eine Gnade gewährt haben:
Wir gewähren unseren lieben Bürgern zu Hamm, dass man ihren Leib, ihr Gut und ihre Habe innerhalb unserer Lande nicht belasten oder pfänden (besetzen) soll. Sollte dies dennoch geschehen und wird dies offenbar und bekannt, so soll man die Pfändung oder Belastung gänzlich aufheben.
Wenn jemand sie (die Bürger) ansprechen oder beschuldigen will, so soll er das innerhalb von Hamm vor unserem Gericht tun. Dort sollen unsere vorgenannten Bürger Recht nehmen und geben, bei Gewinn wie bei Verlust.
Weiterhin haben wir ihnen diese Gnade gewährt: Wenn wir dort einen Gografen einsetzen, soll dieser nicht (direkt) auf den Richterstuhl steigen und dort richten, und man soll ihm nicht gehorsam sein, bevor er nicht zuerst vor unseren sitzenden Rat zu Hamm getreten ist und vor diesem sein Amt bezeugt hat. So ist es Gewohnheit von alters her gewesen, zu Zeiten all unserer Vorfahren und bei allen Räten, die damals waren, sowie auch zu unserer Zeit und bei dem Rat, der zu eben dieser Zeit im Amt war.
Dafür haben uns unsere lieben Bürger zu Hamm wiederum tausend gute Goldgulden (Florins) geliehen, die sie jenen, die wir angewiesen haben, ordnungsgemäß ausgezahlt haben.
Sobald wir oder unsere Nachkommen ihnen diese tausend guten Goldgulden zurückgeben, ist dieser Brief (diese Urkunde) erledigt und los; dann sollen die vorgenannten Rechte wieder nach dem alten Recht gelten, wie sie zuvor bestanden haben.
Zum Zeugnis des Vorhergesagten ist unser Siegel auf unseren Befehl und Geheiß an dieses Schreiben gehängt worden. Gegeben im Jahre des Herrn 1380, am nächsten Freitag vor dem Sonntag, an dem man singt: Cantate.
Anmerkungen
- ↑ zitiert nach Overmann 1903, S. 13