Urkunde 1379 Februar 5

Thiderich von Volmestein überlässt am 5. Februar 1379 dem Johann von Berle seinen Hof zu Berle, der frei von allen Diensten und Beden ist, die ansonsten die Freien von ihren Gütern abführen müssen. Dafür erhält er den Hof zu Baglo.
Wortlaut
Die Urkunde ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst. Ihr Wortlaut wird nach Kindlinger (S. 393-396) zitiert: [1]
Kundich sy allen Luden, de dussen Breiff seyt und horen lesen, dat ich Diderich van Volmestene Knape, na Raide, myt Vulbart und myt guden Willen Gostien myn eliken Husfrowen und all min rechten Erven und Anerven hebbe opgelaten und quit gegeven, und geve vry, quit, ledig und loss uth myner Hand und uth Hand al myner echten Erven und Anerven restliken in dussen Breve Johanne van Berle und all sinen rechten Erven und Anerven ere Hove, geheyten de Hoff to Berle, belegen in dem Kerspele to Herborne, vry to besitten myt allen Slachternuth und Tobehoringe van alme Deynste, Beeden und Deynstesrechte, dey man van vryen Erven und Hoven to gevene plegt, dar Johans vorg. und syne echten Erven und Anerven er Hove vorg. vor Gyffte dusses Breves mede to my Diderike vorg. und to mynen rechten Erven und Anerven verbunden hadde gewesen: und ich Diderich vorg. noch all myne rechten Erven und Anerven noch Nymand van unserentwegene sollen eneyne Schattinge, Pendunge, Gave, Bate, Bede, Deynst und Deynstesrecht van Johans vorg. erer Hove begerende und eyschende syn: Und ich, Diderich vorg. und all myne rechte Erven und Anerven wilt und sollen waren und rechte Warschop doen Johan vorg. und synen Erven und Anerven er Hove vorg. vry, ledigh und loss van allen Deynsten vorg. als des boven und benden in dem Lande wonede und Recht is, sunder Wedersprake, wan Johan vorg. und syne rechte Erven und Anerven darumb uns manet, und dat van uns hebben wilt. Und dusse Hove vorg. hebbe ich Diderich vorg. und myne rechte Erven und Anerven vry gemaket, geven, und verkoft Johan vorg. und synen rechten Erven und Anerven umb ere Hove, geheiten de Hove tho Baglo, belegen in dem Kerspele tho Steinforde, und hebbt my de opgelaten vor Johan van Nysing, myn Frygreve in der Tyd, dar he sath up den Fryenstole in gehegeden Gerichte to Wilshorst, und dar to Tyden als up den Dagh, als dusse Breff helder in syn Datum, wan dat hey gegeven sy; und hever de vorg. Hove upgelaten myt Hande und myt Munde, und hevet darup alles Rechtes vertagen. Und was over und an Iuncher Wilhelm van Buren, Otte dey Meygher, Evert van Suttorpe, de vrye van Bekedorpe, Johan Brochtorp, Johan de vrye van Acquick, Johan de Stomeier und viel andere gude Lude, all Argelist, Ferpel und allet, dat dusse vorg. Johan und synen rechten Erven und Anerven an dusse vorg. Stucken hindern mochte, litterliken uthgesproken. In aller dussen vorg. Saken und Betuchnisse dusser Vriheit der Hove vorg. und all dusser vorg. Rede so hebbe ich Diderick van Volmesteyne Knape vor my und vor Gostien myne elike Husvrowe und vor all myne rechte Erven und Anerven myn Ingesegell gehangen an dussen Breff to Tughe: und ich vorg. Diderik und myne rechte Erven und Anerven seckert in guden Truwen, und lovet myt samender Hand, dusse Saken, wu vorg. wal vast und stede to haldene. Datum anno Domini M°. CCC°. septuagesimo nono, ipso die beate Agathe virginis gloriose.
Übersetzung
Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Urkundentext wie folgt:
Kundgetan sei allen Leuten, die diesen Brief sehen oder hören lesen: Dass ich, Diderich von Volmestein, Knappe, nach Rat, mit Vollmacht und mit gutem Willen Gostia, meiner ehelichen Hausfrau, sowie all meiner rechtmäßigen Erben und Nachkommen, aufgegeben und quittgegeben habe – und hiermit frei, quitt, ledig und los gebe aus meiner Hand und aus der Hand all meiner rechtmäßigen Erben – rechtmäßig in diesem Brief:
Johann von Berle und all seinen rechtmäßigen Erben ihren Hof, genannt der Hof zu Berle, gelegen im Kirchspiel Herbern, damit sie ihn frei besitzen mit aller Nutzung und Zubehör, [frei] von allem Dienst, Abgaben (Beden) und Dienstgerede, die man von freien Erben und Höfen zu geben pflegt. Zu diesen [Lasten] waren der vorgenannte Johann und seine Erben bezüglich ihres Hofes vor der Ausstellung dieses Briefes mir, dem vorgenannten Diderich, und meinen Erben gegenüber verpflichtet gewesen.
Weder ich, der vorgenannte Diderich, noch meine Erben, noch jemand in unserem Namen, sollen fortan irgendeine Schatzung (Steuer), Pfändung, Gabe, Abgabe, Bitte, Dienst oder Dienstpflicht von Johanns vorgenanntem Hof begehren oder fordern. Und ich sowie meine Erben wollen und sollen dem vorgenannten Johann Gewährschaft leisten für ihren Hof – frei, ledig und los von allen vorgenannten Diensten, so wie es oben und unten im Lande Sitte und Recht ist, ohne Widerspruch, wann immer Johann oder seine Erben uns darum mahnen.
Diesen vorgenannten Hof habe ich, Diderich, frei gemacht, gegeben und dem vorgenannten Johann verkauft im Tausch gegen ihren Hof, genannt der Hof zu Baglo, gelegen im Kirchspiel Steinfurt. Diesen [Hof zu Baglo] haben sie mir aufgelassen (übertragen) vor Johann von Nysing, meinem derzeitigen Freigrafen, als dieser auf dem Freistuhl im gehegten Gericht zu Wilshorst saß, an dem Tag, den dieser Brief als Datum trägt. Er hat den vorgenannten Hof mit Hand und Mund aufgelassen und dort auf alles Recht verzichtet.
Zeugen und Vorbehalt Dabei waren anwesend:
Junker Wilhelm von Büren
Otte der Meier
Evert von Suttorpe
Der Freie von Bekedorpe
Johan Brochtorp
Johan, der Freie von Acquick
Johan der Stomeier
...und viele andere gute Leute.
Dabei wurde jede Arglist, jeder Vorbehalt (Ferpel) und alles, was dem vorgenannten Johann und seinen Erben an diesen vorgenannten Stücken hinderlich sein könnte, ausdrücklich ausgeschlossen.
Besiegelung In all diesen vorgenannten Sachen und zur Bezeugung der Freiheit des vorgenannten Hofes habe ich, Diderich von Volmestein, Knappe, für mich, für Gostia, meine eheliche Hausfrau, und für alle meine Erben mein Siegel an diesen Brief gehängt. Und ich und meine Erben sichern in gutem Glauben zu und geloben mit „gesamter Hand“ (gesamtschuldnerisch), diese vorgenannten Sachen fest und beständig zu halten.
Datum: Im Jahre des Herrn 1379, am Tag der seligen und glorreichen Jungfrau Agatha (5. Februar 1379).
Bemerkungen
Die Datierung der Urkunde bezieht sich auf den Festtag der heiligen Agathe, der jährlich am 5. Februar begangen wird.
Literatur
- Kindlinger, Niklas: Geschichte der Familie und Herrschaft von Volmestein - ein Beytrag zur Geschichte des Bauern- und Lehnwesens, und der Staatsverfassung. Welcher die Urkunden enthält. Osnabrück 1801.
Anmerkungen
- ↑ Kindlinger, Niklas: Geschichte der Familie und Herrschaft von Volmestein - ein Beytrag zur Geschichte des Bauern- und Lehnwesens, und der Staatsverfassung. Welcher die Urkunden enthält. Osnabrück 1801.