Urkunde 1373 November 14

Die Bischöfe Florenz von Münster und Heinrich von Paderborn, der Graf Engelbert von der Mark und die Städte Soest, Münster und Dortmund schließen am 14. November 1373 einen Landfrieden.
Wortlaut
Die Urkunde ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Rübel (Band II, S. 32-33) zitiert: [1]
Wy Florens van godes ghenaden bischoff tho Munstere, Henrich van godes ghenade bischoff tho Paderborne und marschalk tho westphalen und Enghelberd, greve tho der Marke, enkennen vor uns vor unse nakomelinghe unde vor unse erven, und wy borghermestere raad unde menhet der stede Sost, Munstere unde Dorpmunde enkennen vor uns unde vor unse nakomelynghe, dat wy synt overdreghen na dem rechte unde ghenade, dat unse here her Karl, keyser tho Rome unde koninch tho Behem, dem lande tho Westphalen um goth unde um woldat hevet ghegheven,
1) also dat nu vortmer na desser tyt alle kerken, alle kerchove, alle huslude, ere lif unde guth dar oppe velich solen wesen, alle coplude, alle pelegrymen, ere lif unde guth oppe der strate velich solen wesen ane arghelist unde sunder underscheyt men orloghe oder nicht;
2) ok solen alle wilde perde velich sin;
3) ok we des anderen vyant wesen wil, de vrentschaf myt eme ghehat hedde, de sal eme dat kuntlichen tho voren wetten lathen van ener tiit tho der andern , alzo dat en dach unde en nacht verghangen sy, er dan he eme yenighen schaden do;
4) ok en sal nemant dem andern schaden don, de vrentschaf myt eme ghehath hedde, he en beware sich, alz vorghescreven is.
5) Were dat dit alz vorgescreven is, yemant, verbreke ane vorsathe unde ane arghelist, dat he warmaken welde over den hilligen, dat he dat ane vorzate hedde ghethan sunder arghelist, de sal dat wederdon, wan he dar um anghesprocben werd, bunnen den nesten verthendaghen, de volghet na der ansprake unvertoghet, unde sal dem cleghere wederdon alze vele alze he selfderde over den hillighen beholden wil mid reden ghelde eder mit der ware, de he eme ghenommen hevet, hedde aver de cleghere der tughe nicht, so sal de ghene, de den schaden ghedan hevet, den schaden ghelden mit sessen tho sich over den hillighdn, de den frede ok ghesworen hebben, myd redem ghelde, were ok, dat he des nicht ghedan hedde und des unschuldich werden wolde, dat solde he ok don mit sessen tho sich, de den vreden mede ghesworen hedden und dar sol de cleghere lyden, alzo verre, alz he ene selfderde nicht overtughen kunde, alz vorgescreven is.
6) Were ok dat dessen alles nicht en sche binnen verthendaghen, alz vorgescreven is, so solen de hantdedighen verwunnen sin in allen rechten unde sal mit en vortvaren, alze des keysers bref utwiset, de he op den vrede ghegheven hebet;
7) were ok, dat ye(nigher pele)gryme eder copman anghegrepen worde ope der strathe eder en husman anghegrepen worde by kercken eder uppe kerchoven, welich er over den hillighen beholden wolde, dat he pelegrim, copman eder husman were, de sal men myt erer have ledich unde unghehindert lathen unde desse vorgescrevene sake sal men rechtverdighen vor deme lantvoghede, en mochte men aver des lantvoghedes nicht hebben, so sal men dat rechtverdighen in des heren lande vor dem amptmanne, in des ampte de schade geschen were.
8) Vortmer wert, dat yemant verwunnen worde vor dem lantvoghede eder vor enen amptmanne, als vorghescren is, dat sol en lantvoghet oder en amptmann dat dat vorgheschen were unvertoghet tho wetene don allen heren unde steden de in dessen vrede beseten weren.
To tughe all deser vorgescrevenen articule unde puntte, so hebbe wy unse ingheseghel an dessen bref ghehanghen. Datum anno domini 1373 feria 2 post festum beati Martini episcopi.
Übersetzung
Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Urkundentext wie folgt:
Wir, Florenz, von Gottes Gnaden Bischof zu Münster, Heinrich, von Gottes Gnaden Bischof zu Paderborn und Marschall von Westfalen, und Engelbert, Graf von der Mark, bekennen für uns, unsere Nachkömmlinge und für unsere Erben; und wir, Bürgermeister, Rat und Gemeinheit der Städte Soest, Münster und Dortmund, bekennen für uns und unsere Nachkömmlinge: Dass wir übereingekommen sind nach dem Recht und der Gnade, die unser Herr, Herr Karl, Kaiser zu Rom und König zu Böhmen, dem Lande Westfalen um Gottes und des Wohltuns willen gegeben hat:
1) Dass nun fortan nach dieser Zeit alle Kirchen, alle Kirchhöfe, alle Hintersassen (Bauern), ihr Leib und Gut darauf sicher sein sollen; [ebenso] alle Kaufleute, alle Pilger, ihr Leib und Gut auf der Straße sicher sein sollen, ohne Arglist und ohne Unterschied, ob Krieg herrscht oder nicht.
2) Auch sollen alle Wildpferde sicher sein.
3) Auch wer des anderen Feind sein will, [obwohl er zuvor] Freundschaft mit ihm gehabt hatte, der soll ihm das kundtun und zuvor wissen lassen von einer Zeit zur anderen, sodass ein Tag und eine Nacht vergangen seien, bevor er ihm irgendeinen Schaden zufügt.
4) Auch soll niemand dem anderen Schaden zufügen, mit dem er Freundschaft gehabt hat, er bewahre sich denn [durch die Absage], wie oben geschrieben steht.
5) Sollte dies, wie oben geschrieben steht, jemand ohne Vorsatz und ohne Arglist brechen, und wollte er bei den Heiligen (per Eid) beteuern, dass er das ohne Vorsatz und ohne Arglist getan habe: Der soll das wiedergutmachen, wenn er deswegen angesprochen wird, innerhalb der nächsten vierzehn Tage, die auf die Ansprache unverzüglich folgen. Er soll dem Kläger so viel erstatten, wie er selbst mit zwei Eideshelfern („selbdritt“) auf die Heiligen schwören will, mit barem Geld oder mit der Ware, die er ihm genommen hat. Hätte aber der Kläger keine Zeugen, so soll derjenige, der den Schaden verursacht hat, den Schaden mit sechs Eideshelfern („selbsechst“) auf die Heiligen vergelten, die den Frieden ebenfalls geschworen haben, mit barem Geld. Wäre es aber so, dass er dies nicht getan hätte und sich unschuldig waschen wollte, so sollte er das ebenfalls mit sechs Eideshelfern tun, die den Frieden mitbeschworen hätten; und dabei soll der Kläger bleiben (sich begnügen), sofern er ihn nicht selbst mit zwei Zeugen überführen könnte, wie oben geschrieben steht.
6) Sollte dies alles nicht innerhalb von vierzehn Tagen geschehen, wie oben geschrieben steht, so sollen die Handtäter nach allem Recht überwunden (verurteilt) sein, und man soll mit ihnen verfahren, wie es des Kaisers Brief ausweist, den er auf den Frieden gegeben hat.
7) Sollte irgendein Pilger oder Kaufmann auf der Straße angegriffen werden oder ein Hausmann (Bauer) bei Kirchen oder auf Kirchhöfen angegriffen werden, und wollte einer bei den Heiligen beteuern, dass er Pilger, Kaufmann oder Hausmann sei: Den soll man mit seiner Habe ledig und ungehindert lassen. Diese vorgenannte Sache soll man vor dem Landvogt rechtfertigen (verhandeln); könnte man den Landvogt aber nicht erreichen, so soll man das in des Herrn Land vor dem Amtmann rechtfertigen, in dessen Amt der Schaden geschehen ist.
8) Weiterhin: Wenn jemand vor dem Landvogt oder vor einem Amtmann überführt würde, wie oben geschrieben steht, so soll der Landvogt oder der Amtmann das Geschehene unverzüglich allen Herren und Städten kundtun, die in diesem Frieden sitzen (beteiligt sind).
Zum Zeugnis all dieser vorgenannten Artikel und Punkte haben wir unsere Siegel an diesen Brief gehängt. Gegeben im Jahre des Herrn 1373, am Montag nach dem Fest des heiligen Bischofs Martin (14. November 1373).
Literatur
- Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band II. Erste Hälfte. Dortmund 1890
Anmerkungen
- ↑ Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band II. Erste Hälfte. Dortmund 1890