Urkunde 1332 Januar 15

In einem Schreiben der Stadt Dortmund an Kaiser Ludwig IV teilen die Stadtoberen am 15. Januar 1332 mit, dass sie auf Befehl des Gerwins die Dortmunder Juden zwar festgenommen hätten, diese aber auf die Verwarnungen des Grafen von der Mark hin wieder freigegeben, da die Juden die Schutzbefohlenen des Grafen sind.
Wortlaut
Die Urkunde ist in lateinischer Sprache verfasst und wird nach Rübel (S. 327-328) zitiert: [1]
Illustrissimo ac serenissimo principi domino Ludowico dei gratia Romanorum imperatori semper augusto consules ceterique cives Tremonienses sacri imperii fideles sue possibilitatis obsequiuim cum devotione complacendi. Auctoritate mandati celsitudinis vestre nobis alias per honorabilem virum dominum Gerwinum prepositum ecclesie Bernowensis directi detentionem iudeorum, licet prius aput nos inaudita sit, noveritis nos illa vice reverenter admisisse, verum cum huiusmodi captivatio hebrerum in offensas graves et in insecuritatem corporum et honoris nos constituerit, et specialiter in indignationem nobilis viri domini A. comitis de Marca nostri pro temporis protectoris, cuius pignus hebrei virtute regia diu faisse memorantur, nobis servatis super isto negotio placitis plurimus tam a nobilibus quam militibus et famulis et etiam a civitatum consulibus terre nostre iuris diffinitum sit et declaratum, quod in isto casu nostra nos ipsos et honorem nostrum fecerimus et processerimus minus caute, nos prefatos iudeos racione iuris et dicte diffinitionis obtento honore nostro diucius tenere non potuimus, nisi redderemus eos sue libertati, qua prius utebantur. Quamobrem vestre maiestati presentibus humiliter supplicamus, quatenus ex causa premissorum ad nos fideles vestros indignationem non habeatis aliqualem, cum propter vestre dominationis remotionem de favore et amicicia dicti comitis de Marka et suorum amicorum in nostre protectionis subsidium salva semper reverentia vestra carere nequaquam valeamus, quia pro nostra possibilitate ad omni8a, que vestre beneplacita fuerint pietati, devoti continuo volumus inveniri. Datum sub secrete nostro 18 kal. Februarii.
Übersetzung
Der Urkundentext lautet ins Deutsche übertragen wie folgt:
Dem hochwohlgeborenen und erlauchtesten Fürsten, Herrn Ludwig, von Gottes Gnaden allzeit erhabenem Römischen Kaiser, entbieten die Konsuln (Bürgermeister) und die übrigen Bürger von Dortmund, Getreue des Heiligen Römischen Reiches, ihren geziemenden Gehorsam und den Wunsch, wohlgefällig zu dienen.
Ihr sollt durch dieses Schreiben wissen, dass wir die Inhaftierung der Juden, die uns durch die Autorität des Befehls Eurer Hoheit, den uns der ehrenwerte Herr Gerwin, Propst der Kirche von Bernau, übermittelt hat, an diesem Ort als bisher unbekannt, damals ehrfurchtsvoll zugelassen haben.
Da jedoch diese Gefangennahme der Hebräer uns schwere Anfeindungen und Unsicherheit für Leib und Ehre eingebracht hat, und zwar besonders die Missgunst des edlen Herrn Adolf, Graf von der Mark, unseres zeitweiligen Schutzherrn, dessen Pfand die Juden kraft kaiserlichen Rechtes lange gewesen sein sollen:
Wir haben in dieser Angelegenheit viele Verhandlungen geführt, sowohl mit Edlen als auch mit Rittern und Knappen und auch mit den Konsuln der Städte unseres Landes. Dabei ist gerichtlich festgelegt und erklärt worden, dass wir uns in diesem Fall unvorsichtig verhalten und weniger vorsichtig gehandelt haben, was uns und unsere Ehre betrifft.
Daher konnten wir die besagten Juden aus Rechtsgründen und wegen der genannten gerichtlichen Feststellung unter Wahrung unserer Ehre nicht länger festhalten, außer wir gäben sie in die Freiheit zurück, die sie zuvor genossen.
Aus diesem Grunde bitten wir Eure Majestät mit diesem Schreiben demütig, dass Ihr aus den genannten Gründen keinerlei Missfallen gegen uns, eure Getreuen, hegt. Denn wegen der Abwesenheit Eurer Herrschaft (von hier) können wir auf die Gunst und Freundschaft des besagten Grafen von der Mark und seiner Freunde als Unterstützung für unseren Schutz keineswegs verzichten, unbeschadet Eurer Ehrerbietung. Denn wir wollen, soweit es in unserer Macht steht, weiterhin ergeben sein in allem, was Eurer gnädigen Huld wohlgefällig ist.
Gegeben unter unserem Geheim-Siegel am 18. Tag vor den Kalenden des Februar (15. Januar). (Jahr 1332).
Literatur
- Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band I. Erste Hälfte. Dortmund 1881
Siehe auch
Anmerkungen
- ↑ Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band I. Erste Hälfte. Dortmund 1881